Erinnerung an Laura Maria Kurtz

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Dieses hübsche Portrait soll Laura Maria Kurtz darstellen, eine der Schwestern der Maler Arthur und Augustin Kurtz. Dr. Krause nennt ihre Lebensdaten als zehntes der elf Kinder von Heinrich und Johanna Kurtz.

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Laura Maria Kurtz, verehelichte Gürtler, wurde am 11. Juni 1866 in St. Gallen, Steiermark geboren. Am 19. Januar 1900 starb sie in jungem Alter von 33 Jahren. Ihr Tod soll die Künstler-Brüder sehr getroffen haben. Im selben Jahr trat Augustin Kurtz-Gallenstein ins Kloster Admont ein.

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Ein Foto, das sie zeigen soll, ist im Familien-Stammbaum zu finden. Erhalten blieb auch eine Stickerei, die laut Beschriftung von ihrer Großmutter Johanna Holzschuh gefertigt wurde.  Gibt es weitere Lebenszeugnisse von ihr, Daten ihrer Eheschließung oder Kinder?

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Vielleicht hat sich damit eine der Fragen in unserem älteren Beitrag beantwortet:

Bildnis einer Braut – Wer war sie ?

 

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Kurtz & Kino: Das Rätsel von Bangalor – Expressionismus und Filmgeschichte

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Die Welt des Kino bestimmte das Leben des Berliner Schriftstellers Rudolf Kurtz (31. Dezember 1884 – 26. Juli 1960). Als Dramaturg der Universum Film AG (UFA) wie in weiteren Funktionen wirkte er ab 1913 an frühen deutschen Filmproduktionen der Stummfilm-Ära mit. Als Drehbuch-Autor wird er bei den Streifen „Der tote Gast“ (1916) und „Der weiße Schrecken“ (1917, Regie: Harry Piel) genannt, teils unter dem Namen Rudolf Kurz.

„Der weiße Schrecken“, 1916-1917

Ingrid ist eine berühmte Schlangentänzerin und verliebt sich in den Forschungsreisenden Hjalmar. Ihr Impresario John aber ist rasend eifersüchtig und provoziert einen gefährlichen Zwischenfall im Theater, in dem Ingrid mit ihren Schlangen auftritt, der gerade noch glimpflich ausgeht.
Hjalmar reist auf einen Kongress der geographischen Gesellschaft, wo er mit einer Expedition ins Polarmeer beauftragt wird. Inzwischen führt John einen listigen Plan aus: Er lässt eine von Ingrids Giftschlangen in Hjalmars Haus schmuggeln. Hjalmar, der vom Kongress zurückgekehrt ist, kann aber gerade noch rechtzeitig von Ingrid gewarnt werden, die den Verlust ihrer Schlange bemerkt hat. John stürzt sich voller Wut auf Hjalmar, wird aber von der Schlange gebissen und stirbt.
Ingrid, die nun niemanden mehr hat auf der Welt, drängt Hjalmar, sie auf die Expedition mitznehmen. Die aber scheitert tragisch, und Hjalmar und Ingrid retten sich als letzte Überlebende in der Eiswüste in eine Höhle. Der Proviant ist knapp, und nur eine Flaschenpost verspricht Hoffnung auf Hilfe. Den Tod vor Augen harren sie aus, während sich eine Hilfsexpedition auf den Weg macht…
(Inhaltsangabe: F. W. Murnau Stiftung)

kurtz-film-1918-Bangalor-01-xc21918, vor 100 Jahren erlebte „Das Rätsel von Bangalor“ seine Uraufführung, zu dem Rudolf Kurtz das Drehbuch gemeinsam mit dem Regisseur Paul Leni geschrieben hatte. In den Hauptrollen glänzten Conrad Veidt, Gilda Langer und Harry Liedtke. Von dem einst 50 Minuten langen Film mit größtem damaligem Ausstattungsaufwand, dessen Handlung von Indien um die Welt führt, ist erst 2009 ein kleines Fragment von 12,40 Meter Länge (Original: 1808 Meter) in den Archiven der Deutschen Kinemathek Berlin wiedergefunden worden.

Neben eigenen Publikationen sind viele frühe Berichte und Filmkritiken von Rudolf Kurtz in dem ersten deutschen Fachblatt für Film und Kino, „Die Lichtbild-Bühne“ (1908-1939) veröffentlicht. Sein „Offener Brief an Karl May“ ist online verfügbar. In Berlin-Kreuzberg findet man am Haus in der Friedrichstraße 225 eine Gedenktafel, die an den einstigen Sitz der Redaktion erinnert.

1926 erschien „Expressionismus und Film“ von Rudolf Kurtz, das als Standardwerk zum Klassiker der Filmgeschichte wurde, 1965 und 2007 in Neuauflagen erschienen.

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Aus einer modernen Buchbesprechung:
„Sprachlich brillant, analytisch hellsichtig und thematisch vielseitig, wird es noch heute überall zitiert, wo es darum geht, frühe Filme und ihre Kontexte zu charakterisieren.

Rudolf Kurtz (1884-1960) war wie kein zweiter prädestiniert, dieses Buch zu schreiben: Er hatte die expressionistische Bewegung von Anfang an mitgeprägt und war gleichzeitig durch seine Tätigkeit bei der Ufa und der Lichtbildbühne mit der Filmbranche intim vertraut. Deshalb vermag er den expressionistischen Film, der vielen seit dem berühmten ‚Cabinet des Dr. Caligari‚ als Inbegriff des deutschen Kinos galt, aus dem Rückblick prägnant zu beschreiben, aber auch seine Grenzen und mögliche Weiterentwicklungen (im absoluten Film der Avantgarde) aufzuzeigen.“
kurtz-film-1926-plate-I-b-xc1Zur Ausgabe 2007: Der vorliegende Band gibt das überaus lesenswerte und mit vielen Bildern versehene Original von Kurtz in vollem Umfang wieder. Zugleich bietet er in einem ausführlichen Nachwort, das viel neues Material erschliesst, erstmals eine Würdigung des Buches und seines Autors. Rekonstruiert werden die intellektuellen Diskussionen im Umfeld von Abstraktionismus, Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, die Charakteristika der Filme, die Kurtz behandelt, sowie die Wirkungsgeschichte des Buches über Kracauer und Eisner bis hin zu Deleuze. Es entsteht die packende Momentaufnahme eines bis heute unterschätzten Ausschnitts deutscher Kultur- und Filmgeschichte.“

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Bachelor-Arbeit „Expressionismus im modernen Film“, Maximilian Hillmer

In englischer Sprache

This small book makes a text accessible to the English speaking reader that is not only a classic of film history, but also an important work from the early phase of modern media history. Expressionismus und Film by Rudolf Kurtz, which appeared first in 1926 in the Verlag der Lichtbildbühne in Berlin (with 73 reproductions, 5 colour plates and a cover illustration by Paul Leni).

Weitere Beiträge aus dem Bereich Film und Kino

 

 

Visionäre Versuche: Raketen starteten auf dem Schöckl – zum Posttransport

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Jeder weiß wohl, dass die moderne Raumfahrt vor gut 60 Jahren begann, als der erste Satellit Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 von der Sowjetunion ins All befördert wurde. Doch wer erinnert sich daran, dass schon vor 90 Jahren bei Graz in der Steiermark erstaunliche Experimente mit Raketenflügen zur Postbeförderung unternommen wurden? Frühe Belege der Raketenpost sind heute gesuchte Dokumente bei Weltraumsammlern und Luftpost-Spezialisten.

Friedrich Schmiedl (* 14. Mai 1902; + 11. September 1994) war der österreichische Pionier und Erfinder der Raketenpost. Schon während seiner Jugendjahre experimentierte er mit Raketen und führte seine Versuche im Studium der Chemie an der Technischen Universität Graz, danach als selbständiger Ingenieur fort.

In seinen pazifistischen Bestrebungen zur friedlichen Erforschung des Weltraums verweigerte sich Schmiedl allerdings jeglichen Angeboten zur Förderung mit militärischem Hintergrund. So schien ihm die Nutzung der Raketentechnik am aussichtsreichsten für die Postbeförderung. „Endziele dieser meiner Raketenflugversuche sind Raketenpost und Weltraumflug“, schrieb er in Rot auf einen seiner ersten Erinnerungsbriefe.
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Diese Belege aus dünnem gefalteten Papier mit Beschriftung und Illustration einer Rakete sowie fortlaufender Nummerierung begleiteten und dokumentierten seine frühen Versuchsreihen. Als Sammlerstücke für Liebhaber sollten sie zur Kostendeckung der Experimente beitragen.

Die frühesten Belege sollen laut „Rocket Mail Catalog“ von Ellington-Zwisler am 27. oder 28. Mai 1928 mit dem Höhenballon von den Grazer Murauen aufgestiegen sein. 200 fortlaufend nummerierte Exemplare entstanden aus den Papierbogen, beklebt mit Briefmarke zu 15 Groschen und privater Vignette, entwertet durch den Grazer Flugpoststempel vom 10. Juni 1928, ergänzt mit einem Luftpostaufkleber und zweizeiligen Zusatzstempel „Geflogen mit Höhenballon-F.S.1“. Der Brief mit laufender Nummer 73 wurde zuletzt bei Cherrystone / USA als „World’s First Stratosphere Mail Flight“ für 1100 Dollar zugeschlagen. Die etwas fleckige Nummer 93 startete im April 2018 beim Auktionshaus Felzmann zu 300 und schoss bis auf 850 Euro.
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Die ersten dreieckigen Schmiedl-Vignetten tragen in grobem schwarz-orangefarbigem Druck eine kleine Ballondarstellung, die Beschriftung „Hochflugpost 3 Groschen FS 1“ und eine Höhenangabe von mehr als 16 000 bis 18 200 Meter. In der Folge unternahm Schmiedl Versuche, vom Stratosphärenballon aus Raketen zu starten, um Treibstoff zu sparen und noch größere Höhen zu erreichen. Wie es heißt, blieben hier zwar die Erfolge aus, aber seine Experimente brachten wichtige Erkenntnisse zur weiteren Erforschung der Atmosphäre.
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Wertvolle Visionen zur Raumfahrt

Ab 3. Juli 1928 startete Friedrich Schmiedl seine Versuchsraketen „V1“ und „V2“ auf dem Gebirgszug Schöckl nördlich von Graz. Dort hatte schon der deutsche Universalgelehrte und Astronom Johannes Kepler (1571-1630) Forschungen betrieben, während seiner Zeit als Landschaftsmathematiker des Landes Steiermark und Mathematiklehrer an der protestantischen Stiftsschule in Graz (1594 bis 1600).

Schmiedl hatte hier seit 1924 Tests mit Raketen unternommen, um fotografische Luftaufnahmen aus großer Höhe zu ermöglichen. Doch erst bei den Starts im Sommer 1928 waren dünne Papierbogen eingeplant, aus denen anschließend jeweils 19 nummerierte signierte Erinnerungsbriefe gefertigt wurden. Die Nummer 10 von V1 brachte 2017 einen Zuschlag von 1400 Dollar; Nummer 11 der Rakete V2 wurde auf 2200 gesteigert.
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rakete-1930-bf6-6C1Höchst begehrt zeigen sich 2017 auch die Originale der je 18 ähnlichen Faltbriefe von den Testflügen der Raketen V3 und V4, die auf den 6. März 1930 datieren und 1300 bis 1500 Dollar einspielten. Die höchsten Gebote brachten zwei Souvenirs vom 14. Mai 1930, dem 28. Geburtstag von Friedrich Schmiedl. 4750 Dollar wurden für die Nummer 6 von 16 bewilligt, die damals mit der V5 flogen und in roter Handschrift den visionären Text tragen:
„… Es ist theoretisch möglich, mit Raketen Briefpost in cca 40 Minuten von Europa nach Amerika zu befördern.
… Es ist theoretisch möglich, mithilfe von Raketen jeden beliebigen Punkt der Erdoberfläche in weniger als 1 Stunde zu erreichen.
… Es ist theoretisch möglich, daß wir mithilfe von Raketen unsere Erde verlassen können: Weltraumflug. Schmiedl.“

rakete-1933-05-C-rxr1Diese Beschriftung ist auch auf dem Rand der Blockausgabe 401 von Paraguay wiedergegeben, die am 13. April 1984 in der Reihe „Pioniere der Raumfahrt“ erschienen ist. Die enthaltene MiNr. 3751 trägt ein Porträt des österreichischen Ingenieurs neben einer Rakete und drei der wichtigsten Daten seiner Experimente zur Postbeförderung. 

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Ebenfalls auf 4750 Dollar kam der Erinnerungsbrief Nummer 2 von 15, die gleichfalls am 14. Mai 1930 mit der Rakete V6 befördert werden sollten. Die Beschriftung nennt als technische Daten einen Startwinkel von 55 Grad, Treibgasgeschwindigkeit circa 200 Meter pro Sekunde, Ausstattung mit Höhenmessinstrument, Radioeinrichtung, Andruckregistrierung. Aber laut dem roten diagonalen Handstempel war der „Raketenflug ‚V6‘ misslungen“.

rakete-1931-V7-7C1Versuchspost per V7 und mehr

Zu einem großen Erfolg sollte der Start der ferngesteuerten Versuchs-Postrakete „V7“ am 2. Februar 1931 auf dem Schöckl werden. Sie war 8,80 Meter hoch, erreichte eine Höhe um 1000 Meter und transportierte 102 Belege etwa drei Kilometer weit in Richtung Sankt Radegund, wo sie plangemäß mit einem Fallschirm landete. Die Sendungen in Form von Umschlägen oder Karten wurden mit Österreich-Freimarken versehen, die Schmiedl einzeln beschriftete und nummerierte, gestempelt mit einem violetten Rechteck „V7“ und datiert. Zwischen 550 und 2100 Dollar gaben Liebhaber 2017 für solche Stücke vom „World’s First Rocket Mail Flight“ aus.

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Auch zu diesem posthistorischen Datum lassen sich preisgünstige spätere Belegmöglichkeiten finden. Zum 40. Jahrestag setzte die österreichische Post am 2.2.1971 in St. Radegund bei Graz einen Sonderstempel „40 Jahre Raketenpost / Ing. Friedrich Schmiedl / Schöckel – Radegund / V7“ ein, dem privaten Stempel mit Signatur von Schmiedl nachempfunden. Die Hermann-Oberth-Gesellschaft beförderte dazu Nachdrucke der Raketen-Flugpostkarten vom 2.2.1931 mit ihrer Versuchsreihe 2/71.

Dutzende weiterer erfolgreicher Postraketenstarts Schmiedls sind aus den folgenden Jahren bis Dezember 1935 dokumentiert. „Geflogen mit Registrier-Rakete 21 April 1931“, berichtet der Gummistempel über der Frankatur von 79 Briefchen und Karten, von denen laut Ellington-Zwisler wenige erhalten blieben. Ein solches Stück wurde 2018 bei Felzmann nach Ausruf zu 750 erst bei 1800 Euro zugeschlagen.

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Am 9. September 1931 wurden 333 Poststücke mit der Rakete R1 vom Berg Hochtrötsch mehrere Kilometer weit nach Semriach befördert. Ein etwas lädierter Umschlag aus Wien von diesem Flug, der mit violetter Vignette und roten Stempeln weiter über Graz nach Salzburg lief, ist in der Publikation „Friedrich Schmiedl – Ein Raketenpionier aus Graz“ erwähnt. 84 Belege entstanden am 28. Oktober 1931 mit Gummistempel „Geflogen mit Postrakete V8“ und handschriftlichem Vermerk „Nachtflug“ von St. Peter zum Grazer Feld.
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Die Philatelistische Gesellschaft Graz ehrte den Raketenpionier zum 30. Jubiläum mit Erinnerungsstücken, darunter ein Vignettenblock nach Schmiedls Entwurf mit Inschrift „Vor 30 Jahren Start der ersten Postrakete mit postamtlicher Briefweiterbeförderung“. Die Post trug einen Sonderstempel in lilaroter Farbe bei, auf Souvenirumschlägen zu finden.
rakete-1933-schm-1s-KB-UWie das Austria-Forum berichtet, schlug Schmiedl die Raketenpost für den Brieftransport zwischen Dörfern in Gebirgsregionen und zwischen den großen Hauptstädten der Welt vor. Er plante sogar, eine eigene Raketenpostlinie Laibach-Graz-Basel zu eröffnen. Die Funktionäre der Post konnte er aber nicht davon überzeugen. 1935 wurden seine Versuche durch zwei gesetzliche Änderungen beendet: Die Verwendung von privaten „Wertmarken“ wie die Raketenpost-Vignetten wurde von der österreichischen Post untersagt und der Besitz von Sprengstoff wurde unter Todesstrafe verboten. Als ein militärisches Interesse an den Forschungen Friedrich Schmiedls erwachte, verweigerte er jede Zusammenarbeit und vernichtete all seine Unterlagen.

Zu seinen späteren Auszeichnungen und Ehrungen zählen der Ehrenring des Landes Steiermark, das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und die Hermann-Oberth-Medaille 1971, die ihm als Zeichen der Anerkennung durch den Raketenforscher Wernher von Braun überreicht wurde. Nach seinem Ableben 1994 hinterließ er der Stadt Graz ein Vermögen, um mit der „Ing. Friedrich Schmiedl – Stiftung“ die Möglichkeit zu schaffen, durch visionäre und unkonventionelle Ideen in seinem Sinn Verbesserungen und Erleichterungen der Kommunikation und Information im Regionalbereich Graz zu fördern.

Mehr Wissenswertes über Friedrich Schmiedl und seine Nachfolger in aller Welt hat der Experte und BPP-Prüfer Walter Michael Hopferwieser in seinem aktuellen Handbuch und Spezialkatalog „Pionierraketenpost und kosmische Post“ zusammengestellt (Verlag Christine Steyrer). Der Bericht von Michael Burzan erscheint im Juni 2018 im „Briefmarkenspiegel“ und im britischen „Philatelic Exporter“.

rakete-1992-05-CBlock 262 der Malediven erinnerte am 1. Dezember 1992 verspätet an den 90. Geburtstag von Friedrich Schmiedl. Der Blockrand trägt ein Foto des Raketenstarts mit Angabe „First rocket mail July 3rd, 1928“, darunter eine Reproduktion seines „Raketenflug-Erinnerungsbrief Nr. 09“. 

Der Schöckl / grotesqueverlag (2012)

Deutschlandfunk  

Wikipedia

König Rudolf I. – Dem ersten gekrönten Habsburger zum 800. Geburtstag

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Es hat einige Jahrhunderte gedauert, bis die kleine Adelsdynastie der Habsburger von der bescheidenen Habsburg im heutigen Schweizer Kanton Aargau zur mächtigsten Herrscherfamilie Europas aufstieg.
Habsburg-merian-1642-1-c1Ihr erster bedeutender Vertreter war Graf Rudolf IV., der am 1. Mai 1218 zur Welt kam und 1273 zum römisch-deutschen König Rudolf I. gewählt wurde.
Aus seiner Regierungszeit sind einige interessante Münzprägungen erhalten.numis-austria-12xx-habsbg-pfennig-2

Pfennig des Rudolf von Habsburg, 1273-1291.
Der gekrönte König thront auf der Vorderseite mit Zepter und Reichsapfel,
das rechte Bein überschlagend. Rückseitig im Dreieck eine Büste des heiligen Reinoldus zwischen Schrägkreuzen.
(Zuschlag 80 Euro u.V. bei Künker).
Drei Varianten von Großpfennigen:

Rudolf von Habsburg, Kr 65.1
*RVDOLPh‘    . ROM . REX
VRBS . AQVENSIS . VINCE

Rudolf von Habsburg, Kr 65.6, nicht editiert
*RVDOLPh‘    ROM . REX
VRBS . AQVENSIS . VINCE

Rudolf von Habsburg, Kr 65.7, nicht editiert,
Variante ohne VINCE
Quelle: www.aachen-muenzen.com

Die Republik Österreich würdigte König Rudolf von Habsburg 1991 mit einer Silbermünze zu 100 Schilling.numis-austria-1991-habsbg-1-bl1numis-austria-1991-habsbg-2-bl1

Geschichte schrieb Rudolf I. von Habsburg am 26. August 1278, als das Schicksal Österreichs für die nächsten Jahrhunderte entschieden wurde. Durch die Marchfeldschlacht verlagerte sich das politische Hauptgewicht in Mitteleuropa von Böhmen und Prag auf Österreich und Wien. In dieser denkwürdigen militärischen Auseinandersetzung auf dem Schlachtfeld von Dürnkrut und Jedenspeigen wurde der böhmische König Ottokar II., damals auch Herzog von Österreich, der  Steiermark, von Kärnten und Krain, von Rudolf von Habsburg besiegt und kam ums Leben.
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100 Schilling „700. Jahrestag der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen“. 

Zum Gedenken an diesen Wendepunkt von historischer Bedeutung erschien 1978, 700 Jahre später, eine silberne Sondermünze zu 100 Schilling mit Brustbild von Rudolf I. vor der Schlachtszene im Marchfeld, sowie eine Sondermarke zu drei Schilling (Michel-Nr. 1580). In der Art hochmittelalterlicher Reiterbilder stellt das Motiv von links König Ottokar von Böhmen dar, der die Helmzier des Königreichs Böhmen trägt. Auf Banner, Waffenrock und Roßdecke sieht man den böhmischen silbernen Löwen auf rotem Grund. Rechts erscheint König Rudolf von Habsburg mit dem gekrönten Topfhelm. Sein Schild und Waffenrock, die Rossdecke und das Banner sind mit dem schwarz-roten Reichsadler auf goldenem Grund geschmückt. Diese Darstellung soll die Gegner der Marchfelder Schlacht symbolisieren, deren direkte Begegnung auf dem Schlachtfeld allerdings nicht stattfand. austria-1978-schlacht-1

Als Vorbilder für die grafische Gestaltung dienten Miniaturen jener Zeit
und das große Reitersiegel von König Ottokar.
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Eine literarische Umsetzung schuf Franz Grillparzer (1791-1872) mit seinem Trauerspiel „König Ottokars Glück und Ende“, das am 19. Februar 1825 seine Uraufführung im Wiener Burgtheater erlebte, bis heute von vielen weiteren Inszenierungen gefolgt.

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Wikipedia zeigt eine Medaille von Scharff aus dem Jahr 1882, die zur Feier des 600. Jubiläums der Habsburger Monarchie an den Hoftag von Augsburg von 1282 erinnerte.

Quellen :

Austria-Forum / Post Austria

www.habsburger.net

Rudolf I von Habsburg wird König

Wikipedia

 

 

 

Schöner Schein: 0-Euro-Noten mit österreichischen Motiven

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In heutigen Zeiten virtueller Währungen erlebt man immer wieder, dass gigantische Werte „aus dem Nichts“ entstehen können. Dennoch mag man es für einen Scherz halten, dass Scheine im Banknoten-Look mit Wertangabe von 0 Euro reißenden Absatz finden. Inzwischen verbreitet sich dieser Trend auch in der Alpenrepublik.

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Vom Alpenzoo Innsbruck zum Wiener Kunsthaus

Die ersten österreichischen Ausgaben stammen aus dem Jahr 2017. Den Anfang machte der Alpenzoo Innsbruck mit seiner Erstausgabe als 0-Euro Souvenir Schein in Höhe von 10.000 Stück, der Tierporträts mit Steinbock und Luchs zeigt. Inzwischen ist 2018 eine zweite Auflage erschienen, erkennbar an der geänderten kleinen Jahreszahl rechts neben der Europaflagge unter „ALPENZOO“ und rückseitig dem Turm von Belém statt Big Ben.

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Auch das Mozarthaus in Salzburg ließ 2017 eine limitierte Auflage von 10.000 Exemplaren produzieren. Sie scheint noch zum günstigen Ausgabepreis von zwei Euro erhältlich zu sein.
Mozarthaus Souvenir-Note

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Das KUNST HAUS WIEN (Hundertwasserhaus), ein von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Museum, bietet seine  0-€uro Souvenir-Scheine seit 2017 in limitierter Auflage von 5000 im Museumsshop sowie Online zum Preis von 15 Euro für fünf Stück an.
(museumshop@kunsthauswien.com, www.kunsthauswien.com)
Kunsthaus Wien Null-Scheine

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Im April 2018 erschien der erste Null-Euro-Souvenir-Schein im Burgenland: Eisenstadt gab die Edition heraus, vorderseitig mit einem Porträt von Joseph Haydn, Noten einer Komposition und dem Zitat „Meine Sprache verstehet man auf der ganzen Welt“. Die Auflage ist auf 5000 Stück limitiert.
www.krone.at

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Das Konzept der 0-Euro-Scheine kreierte der Franzose Richard Faille, der zuvor bereits ein immenses Sortiment an Erinnerungsmedaillen in Umlauf gebracht hatte. Die Papier-Souvenirs werden seit 2015 in seinem Auftrag von der französischen Wertdruckerei Oberthur Technologies auf Spezialpapier gedruckt und weisen Sicherheitsmerkmale auf, die auch für Banknoten typisch sind: Wasserzeichen und Metallstreifen, Hologramme und Durchsichtsregister, fluoreszierende Farbe, Mikroschrift und eine fortlaufende Kontrollnummer mit vorangestellten Kennbuchstaben. Oberthur gilt als drittgrößtes Unternehmen der Welt für die Herstellung von Banknoten und produziert seit einigen Jahren auch echte Euro-Scheine für Deutschland, Finnland, Frankreich, die Niederlande, Slowakei, Slowenien und weitere Staaten.

Das Format der violetten Souvenirdrucke beträgt einheitlich 135 mal 74 Millimeter. Die Vorderseiten sind nach Wünschen der jeweiligen Auftraggeber gestaltet, in der Regel mit Attraktionen und Sehenswürdigkeiten bedruckt, die für den Tourismus werben und auf Freizeitparks, Museen oder Zoos verweisen. Die einheitlichen Motive der Rückseiten zeigten 2015 zunächst französische Bauwerke – Eiffelturm und Notre-Dame in Paris, den Mont-Saint-Michel im Norden und den Pont du Gard im Süden. 2016 erfolgte die Umstellung auf Bauten aus europäischen Ländern, darunter das Brandenburger Tor sowie das „Manneken Pis“ aus Brüssel. Nachdem Großbritannien den „Brexit“ beschlossen hatte, wurde Mitte 2017 der Londoner „Big Ben“ durch den Turm von Belém bei Lissabon ausgetauscht. Inzwischen verbreiten sich die Null-Noten wie ihre Darstellungen durch Lizenznehmer über ganz Europa.

Auch wenn als Nominalwert Null Euro angegeben sind, kosten die Souvenirscheine schon bei Erscheinen ein paar Euro. Dass viele Interessenten bereit sind, die Startpreise zu bezahlen, zeigen die raschen Ausverkäufe bei etlichen Sorten. Die Auflagezahlen bewegen sich überwiegend zwischen 5000 und 20 000 Stück. Sind sie bei den Herausgebern vergriffen, werden die Kurse von Angebot und Nachfrage bestimmt. Nachauflagen kommen vor, werden aber durch unterschiedliche Nummerierung gekennzeichnet.

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In Deutschland umfasst inzwischen eine komplette Sammlung deutscher 0-Euro-Scheine rund 100 Sorten, für die bereits mehr als tausend Euro verlangt werden. Der teuerste Problemfall ist die Ausgabe „MSV DUISBURG“ von 2016, für die schon mehrere Hunderter bezahlt wurden. Ein Stromanbieter nutzt sie als exklusive Prämie bei Vertragsabschlüssen, daher kam bisher nur ein Bruchteil der 5000er-Auflage auf den Markt. Für zwei Stücke mit aufeinanderfolgenden Nummern erwartete ein Internet-Anbieter allen Ernstes 1600 Euro … Doch da hört der Spaß für Liebhaber offenbar noch lange nicht auf – ein Katalog und Albenblätter sind bereits erschienen…

Michael Burzan

Links :
Michael Burzan: Artikel im Briefmarkenspiegel April 2018
Der Standard (2017)

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Butoh – Japanisches Tanztheater in Graz: Die Falle Digitalisierung

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Im Juni 2015 hat Edwin Rainer auf seinem Youtube-Kanal „voice inspiration“ eine faszinierende Premiere filmisch dokumentiert, die seither schon mehr als 130.000 Aufrufe verzeichnen konnte:
„RESONANT COMPLEX“, ein Stück über „Die Falle Digitalisierung“ im Ensemble  mit und nach Choreographie von Yumiko Yoshioka (JP/DE). Die Uraufführung fand als internationale Tanzproduktion der Steirischen Kulturinitiative am 26. bis 28. Juni 2015 auf der Studiobühne der Oper in Graz statt.

Dazu heißt es: „Wir leben in einer analogen Welt, in der es eine endlose Menge an Farben, Tönen und Gerüchen gibt. Die Gemeinsamkeit aller analogen Signale ist die Unendlichkeit ihrer Möglichkeiten. Doch unsere analoge Kohlenstoff-Welt wird zunehmend von einer digitalen Schicht überlagert. Die digitale Evolution führt zum einem Verschwinden der Dinge, nur ihr Abbild bleibt. Resonant Complex beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, Herausforderungen und gefahren, die dieser Paradigmenwechsel mit sich bringt.“

Welche Auswirkungen entstehen für unsere Leben?
Was bewirkt das Verschwinden der dinglichen Welt in uns?
Und was ist, wenn jemand den Stecker zieht?

Bericht zur Aufführung auf www.achtzig.com
Zu Hintergründen des Butoh auf Wikipedia

Daten zu den aktuellen Butoh Workshops 2018 von Yumiko Yoshioka:

auf Facebook

Weitere Infos zur Veranstaltung :

  • Butoh Workshop mit Yumiko Yoshioka im Mai 2018 

    (Theater Feuerblau lädt internationale Theater- & Tanzschaffende nach Graz)

    „Unser Körper ist ein Auffangbecken der Zeit und seine längst vergessenen Erinnerungen können wir durch Tanz wieder erwecken. Durch die Erforschung unserer Vergangenheit bis hinunter zu einem Stadium von Kollektivgedächtnis können wir die Quelle der vorhandenen Ressourcen erreichen, die das Wesentliche unseres Lebens bereichern können. Ich möchte diese vergessenen Erinnerungen aktivieren, indem ich mich auf unseren inneren Kern, unsere Ki-Energie und dessen Zirkulation konzentriere.“

Homepage von Yumiko Yoshioka

 

ESC 1956: Freddy Quinn – Vom Start mit Rock’n’Roll zum Publikums-Liebling

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Was viele nicht wissen: Mit Freddy Quinn (geboren am 27. September 1931 als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl) war schon 1956 ein Österreicher Teilnehmer des ersten Grand Prix Eurovision de la Chanson – er ging aber für Deutschland ins Rennen. Österreich startete erstmals 1957 mit Bob Martin in diesem Lieder-Wettbewerb.

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Mit seinem Titel So geht das jede Nacht“ brachte Freddy Quinn den gerade erst aufkommenden Rock’n’Roll zu Gehör – im gepflegten Umfeld des Casino Kursaal Lugano sicher eine Überraschung, für manche wohl ein akustischer Schock…

Seine steile Karriere zum über Jahre beliebtesten Star in Deutschland auf Schallplatten, in Kinofilmen und auch in Fernsehserien stand da erst am Anfang…

Wenig bekannt ist, dass die österreichische Post im Dezember 1963 einen Sonderstempel einsetzte, als Freddy vor dem Wiener Rathaus Weihnachtslieder aus seiner damaligen Schallplatte präsentierte …

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Zwei von 14 Kino-Filmen mit Freddy aus 1957-1983:

Eine Biografie von Elmar Kraushaar ist 2011 erschienen :
Rezension „Freddy Quinn: Der verlorene Sohn“

Rückzug aus der Öffentlichkeit

In Wien hat ein privates Freddy-Quinn-Archiv & Museum Souvenirs aus seinem Leben zusammengetragen:

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Freddy Quinn erzählt aus seinem Leben

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Leo Heppe alias Bob Martin: Österreichs Erster beim Grand Prix Eurovision 1957

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Mit seinem Western-Lied „Wohin, kleines Pony?“ nahm Leo Heppe unter seinem Künstlernamen Bob Martin am 3. März 1957 erstmals für Österreich an der zweiten Ausgabe des Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute ESC / Eurovision Song Contest) in Frankfurt am Main teil.

Es war ein enttäuschender Start für Österreich: Bei diesem Wettbewerb belegte er mit drei Punkten nur den letzten Platz… Das schwache Resultat sorgte wohl dafür, dass eine Schallplatten-Aufnahme des Liedes damals nicht veröffentlicht wurde. Als Rarität soll 2016 ein Einzelstück als private Vinyl-Pressung der überarbeiteten Tonspur aus der Fernsehaufzeichnung von 1957 bei ebay nach Start zu 20 $ für 327 US-Dollar (ca. 260 Euro) versteigert worden sein.

Sein mageres Abschneiden beim Grand Prix 1957 sollte aber nicht den Eindruck erwecken, der Interpret sei ein erfolglos geblieben – im Gegenteil! Er war ein recht populärer Wanderer zwischen den Welten der „ernsten E-Musik“ und der „U-Musik“ der Unterhaltungsmedien.

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Geboren wurde Bob Martin als Leo Heppe am 7. Juni 1922 in Krasnojarsk, Sibirien. Wenige Jahre später fand die Familie in Österreich eine neue Heimat. Leo wurde zu einem vielseitigen Sänger, zunächst ab 1946 an der Wiener Volksoper, der nach Abschluss der Musikakademie von 1951 an bis zu seiner Pensionierung 1982 hauptberuflich im Chor der Wiener Staatsoper tätig war. So wirkte er an Schallplatten-Aufzeichnungen von Opern und Operetten mit, die teils heute noch in Neuauflagen erhältlich sind.

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Er engagierte sich aber auch in vielen anderen Musikrichtungen. So war er Mitglied des erfolgreichen Schlager-Quartetts „Die Montecarlos / Die blauen Jungs. 1957 spielte er in diesem Ensemble an der Seite von Grethe Weiser in der Neuverfilmung des Filmklassikers „Einmal eine große Dame sein“. Sieben weitere Filme wurden von der Gesangsgruppe bis 1960 musikalisch begleitet, darunter „Mein Schatz ist aus Tirol“ und „Schön ist die Liebe am Königssee. „Andrea“, der erste Erfolgstitel des Quartetts von 1956, war 1957 im Film  „Kindermädchen für Papa gesucht“ zu sehen:

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Aus Anlass des 60. Eurovision Song Contest 2015 in Wien berichtete die Österreichische Akademie der Wissenschaften über das Leben von Leo Heppe alias Bob Martin:

„Ich will nur singen …“

Wie unsere Recherchen und Beispiele zeigen, war Bob Martin auch im europäischen Ausland auf Schallplatten vertreten, an der Seite berühmter Musiker wie Quincy Jones oder Dalida. Eine interessante Zusammenstellung mit Veröffentlichungen von Bob Martin & Co. bietet das Forum Rock’n’Roll-Schallplatten unter Bob Martin

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Nach seinem Tod am 13. Januar 1998 in Wien wurde Bob Martin unter seinem Geburtsnamen Leo Heppe am Ottakringer Friedhof bestattet (Gruppe 35, Reihe U11, Nummer 16).

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Kurtz-Geschichten, Raucher und die Austria-Tabakregie

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Über die beruflichen Tätigkeiten von Heinrich Kurtz (1784-1831) erfährt man:

„Er hatte sich der ärztlichen Laufbahn gewidmet, nahm an den Franzosenkriegen teil und zeichnete sich als Fähnrich bei der Einnahme einer feindlichen Batterie aus, wofür er als Anerkennung von der kaiserlich-österreichischen Regierung einen Tabak-Hauptverlag in Polen erhielt.“ (Dr. Adalbert Krause, Admont).

1784, im Jahr seiner Geburt, wurde die Österreichische Tabakregie unter Joseph II. (1741-1790) als Vollmonopol für alle österreichischen Länder gegründet. Ziel war unter anderem die Versorgung von Kriegsinvaliden, die bei der Zuteilung der „Verschleißstellen“ bevorzugt wurden: eine Trafik für einfache Soldaten, ein Großhandel für Offiziere. Daneben wurden auch schuldlos verarmte Beamte auf diese Weise versorgt. (Wikipedia).

Spuren von Heinrich Kurtz in dieser Tätigkeit konnten wir bisher noch nicht finden. Es ist anzunehmen, dass es sich um einen Tabak-Vertrieb in der Nähe seines damaligen Wohnortes Bobrka in Galizien handelte. Etwa 30 Kilometer entfernt lag eine damalige Zentrale des österreichischen Tabakanbaus und der Weiterverarbeitung: in Winniki, auch Weinbergen genannt, heute Wynnyky, Ukraine, südöstlich am Rand der Hauptstadt Lemberg gelegen.

„1772 kam der Ort unter österreichische Herrschaft (im Königreich Galizien und Lodomerien), damit wurde Winniki am Ende des 18. Jahrhunderts ein Zentrum der Produktion von Tabak, dieser Wirtschaftszweig blieb bis heute die wichtigste Einnahmequelle. Im Jahr 1779 wurde im Ort die Lemberger Tabakfabrik gegründet, die im 19. Jahrhundert zwischen 500 und 1000 Menschen beschäftigte. Im Jahre 1785 kam es auch zu einem Zuzug von deutschen Kolonisten, diese nannten den Ort angelehnt an den slawischen Namen Weinbergen.“ (Wikipedia)

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Zwei Jahrhunderte Austria Tabak

Zum 200. Jahrestag der Austria Tabak erschien 1984 eine Sondermarke zu 4,50 Schilling, die eine Zigarrenschleife mit einer Tabakpflanze zeigt. Dazu berichtete die Post:

Am 8. Mai 1784 erfolgte die Kundmachung des Tabakpatents Kaiser Franz Josephs II. Damit wurde das bis dahin verpachtete Tabakgefälle in staatliche Verwaltung übertragen. Das Unternehmen Austria Tabak trug damals den Titel „K.K. Tabak – Gefällen-Kammerialdirection“ und hatte seinen Sitz im ehemaligen Artilleriezeughaus auf der Seilerstätte in Wien.

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Drei Werbeblättchen mit Freimarken Deutschösterreich 1919 und Reklame für „PAPIER Á CIGARETTES OTTOMAN – Made in Austria“ (Briefmarken Fischer, philasearch).

Die offiziellen Verkaufsstellen für Tabakprodukte, die Tabaktrafiken, gehen auch auf diese Zeit zurück. Die Organisation der Austria Tabak hat in ihrer 200-jährigen Geschichte umfangreiche Veränderungen erfahren. 1823 erhielt sie den Titel „K.K.Tabak und Stempel-Gefällendirektion“. 1828 wurde das Monopolgebiet auf Vorarlberg und Tirol ausgeweitet. Bis zum ersten Weltkrieg unterhielt die „Tabakregie“ 30 Fabriken, 17 Verschleißmagazine und 8 Einlöseämter in den wichtigsten Tabakanbaugebieten der Donaumonarchie. 

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Arthur Kurtz (1860-1917) zeichnete 1916 dieses in Baden b. Wien signierte Porträt eines Zigarren-Rauchers, vielleicht eine seiner letzten Skizzen, rechts unten zusätzlich mit einer kleinen Karikatur versehen. Ein weiteres Porträt mit einem Zigaretten-Raucher aus seinem Nachlass befindet sich in Familienbesitz.
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Schauen, Sehen, Erkennen : Erinnerung an Hubert Tuttner (1920-2007)

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Zum Freundeskreis der Gleisdorfer Familie Kurtz zählte Zeit seines Lebens der Künstler Hubert Tuttner (* 1.11.1920 / + 1.12.2007). Der Maler, Grafiker und Bildhauer lebte und arbeitete im Kötschmanngraben, Gemeinde Ludersdorf-Wilfersdorf in der Steiermark. 1920 in Hohenbrugg bei Waltersdorf geboren, begann er seine Ausbildung 1936 zum Bildhauer an der Kunstgewerbeschule in Graz, gefolgt von Militärverpflichtung und Gefangenschaft. Ab 1945 besuchte er die Meisterschule der Malerei in Graz bei Rudolf Szyszkowitz (1905-1976) und 1947 bis 1952 die Akademie der Bildenden Künste in Wien.

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„In allem suchte Hubert Tuttner das Wesentliche, in den Dingen, die ihn umgaben wie Blumen und Früchte oder die Häuser der Nachbarschaft. Während der zahlreichen Studienreisen in verschiedenen Ländern fand er vor allem in der Landschaft und der Architektur Sujets, die er zu Papier brachte. Diese werden mit leuchtenden Farben in feinsten Abstufungen und Nuancen in den Aquarellen und Ölbildern ausdrucksstark geformt.“ (Zitat seiner Heimatgemeinde)

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Eine erste postume Retrospektive seiner Arbeiten im forumKloster in Gleisdorf begleitete 2009 Dr. Georg Kurtz, der Hubert Tuttner wie viele als Schüler erlebt und ihn in den letzten Jahren als Arzt begleitet hatte.

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Eine Ausstellung von Werken aus sehr unterschiedlichen Perioden wurde 2012 im „MiR-Museum im Rathaus“ in Gleisdorf von seiner Tochter, der Textilkünstlerin Regina Tuttner eröffnet. Dabei merkte Bürgermeister Christoph Stark an, dass  Hubert Tuttner noch vielen Menschen aus ihrer Schulzeit als Lehrer in Erinnerung geblieben sei.

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Einen aufschlussreichen Einblick zum Engagement von Dr. Georg Kurtz im Kunstbereich seiner Ordination gab der Autor Martin Krusche anlässlich einer Ausstellungs-Finissage unter dem Titel „Momente am Alltagsrand – Ein Abend im Fleisch unserer Möglichkeiten“, in dem er auch ein Bild von Hubert Tuttner beleuchtet (siehe obiger Ausschnitt, Foto Martin Krusche):

Momente am Alltagsrand

Tuttners Werke sind in vielgestaltiger Form als Teil der Kunst- und Kulturgeschichte zu finden, in privaten und öffentlichen Sammlungen, in Publikationen, an und in städtischen wie kirchlichen Bauwerken.

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Als Dauerleihgabe im Belvedere Wien (Eigentum der Artothek des Bundes) ist sein undatiertes Ölbild „Blühende Kakteen in Landschaft“ vertreten (43 x 61 cm).

Das Austria-Forum dokumentiert das Wandmosaik „Fahrzeuge und St. Christophorus“ von Hubert Tuttner aus dem Jahr 1958 im 23. Bezirk in 1230 Wien, Breitenfurter Straße 485, am 29. November 2015 fotografiert von Hon.-Prof. Dr. Ewald Judt.

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Hier eines seiner leuchtenden Blumen-Aquarelle, das 2016 beim Dorotheum in Graz offeriert wurde, sowie ein Stück aus dem Kunsthandel Antiquariat am Kräherwald.

tuttner-blumen-antiqua-02-xc1Seine floralen Kompositionen bieten reizvolle Vergleichsmöglichkeiten mit Blumen-Stillleben von Camillo Kurtz und
Anneliese Burzan-Kurtz.

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Titel-Illustration der Publikation seines Werks:
Hubert Tuttner, Graz, Akademische Druck und Verlagsanstalt, 2000.
Limitierte Auflage von 1200 Stück.

Einzelausstellungen Hubert Tuttner :
Salzburg 1951, Wien 1953, Salzburg 1954, Algier 1955, Rom 1956, Wien 1958, Ludwigsburg 1966, Graz 1968, Athen 1968, Straßburg 1972, Graz 1972, Salzburg 1978, Istanbul 1979, Kötschmanngraben 1983, Graz 1985, Kötschmanngraben 1989, Graz 1992, Freiberg 1994, Gleisdorf 2009, 2012.

 

Conchita Wurst alias Tom Neuwirth – Österreichs Sieg beim ESC 2014

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Im Mai 2014 war es soweit: Österreich wurde nach dem Sieg von Udo Jürgens 1966 endlich wieder einmal Gewinner eines Eurovision Song Contest!

Es war für mich das Jahr, in dem ich erstmals den ESC live erleben wollte – ohne zu ahnen, welche Strapazen damit verbunden sind… Kopenhagen als Hauptstadt Dänemarks schien nicht allzu weit entfernt, zumindest näher als viele entlegenere Städte, in denen die Veranstaltungen dank ihrer jeweiligen Gewinner des Vorjahres abgehalten werden.

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In memoriam: Lys Assia (geboren am 3. März 1924 als Rosa Mina Schärer; † 24. März 2018), die Gewinnerin des ersten Grand Prix Eurovision de la Chanson 1956 in Lugano für die Schweiz
(c: Archiv Burzan/PhilaTec).

Meine wieder erwachte journalistische Begeisterung für diesen europaweiten musikalischen Wettbewerb entstand vor allem durch die Feststellung, dass er im selben Jahr „geboren“ wurde wie ich – und sich jedes Jahr unseres Lebens seither in Liedern unterschiedlichster Stile aus verschiedenen Nationen und Kulturen in diesem Rahmen spiegeln lässt. Ein einzigartiges Kalendarium zur Entwicklung der Populärmusik und auch zur Geschichte des Fernsehens, wo der ESC inzwischen Hunderte Millionen Zuschauer und Fans in aller Welt findet. Aber wie sieht das Ganze „live“ vor Ort aus?

Der Online-Kartenkauf war schon ein Abenteuer für sich. Mit viel Glück gelang es, zumindest Tickets für die öffentlichen Proben am Nachmittag der Semi-Finals zu ergattern, die als „Family Finale“ oder am Vorabend als „Jury-Finale“ bezeichnet werden. Die Karte für das entscheidende, im Fernsehen übertragene „Grand Finale“ konnte ich erst am Mittag des Veranstaltungsdatums via Ebay ergattern und am Flughafen von Kopenhagen vom Anbieter übernehmen, der selbst einen besseren Platz ersteigert hatte …

Fans auf dem Weg – selten mit etwas Sonnenschein zwischen Regenschauern …DSCF3623-bMerchandising – das große Geschäft mit Souvenirs und Fan-Artikeln

Mit passender Beleuchtung wurde aus der heruntergekommenen Fabrikhalle mit eilig montierten Aufbauten eine strahlende Show-Arena …

DSCF3617-bProbe-Abstimmung, um die Funktion der Video-Wände zu testen …

Das Publikum – aus allen Ländern für alle Finalisten immer begeistert dabei …

Die Kunstfigur „Lichtgestalt“ Conchita Wurst (alias Tom Neuwirth aus Oberösterreich, aufgewachsen in Bad Mitterndorf, Steiermark) überzeugte mit ihrem grandiosen Auftritt „Rise like a Phoenix“ auf dem Niveau eines James-Bond-Titelsongs, eroberte die Herze des Publikums und erhielt mit weitem Abstand verdient die meisten Stimmen. DSCF3658-bApplaus, Applaus!

Mein Fazit nach dieser Tour und einem Besuch beim folgenden Wiener ESC-Finale 2015: Es ist unabhängig vom Wetter, wesentlich stressfreier, gemütlicher und kostengünstiger, den Eurovision Song Contest vor dem Fernseher zu verfolgen, für den er an erster Stelle konzipiert wird … (und da kann man bei den grausigsten Beiträgen auch mal den Ton abschalten 😉

(Fotos: copyright Michael Burzan)

Frohe Ostertage mit Wiener Werkstätten

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Fröhliche Feiertage wünschen wir auch in diesem Jahr allen Angehörigen und Freunden der Kurtz-Familie rund um die Welt !

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Die Oster-Motive unter den Künstlerkarten im späten Jugendstil der „Wiener Werkstätten“ zählen zu den gesuchten Exemplaren. Drei- bis vierstellige Beträge werden heute dafür von Liebhabern bewilligt. Hier Beispiele von Mela Köhler und Arnold Nechansky, das bekränzte Osterlämmchen oben stammt von Josef Diveky (WW 141).

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