Hallo Freunde – Herzlich Willkommen im kurtzarchiv !

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Auf diesen Webseiten erscheinen Daten, Bilder und Dokumente, die sich mit Leben, Werk und Interessen von Angehörigen der namhaften österreichisch-deutschen Familie Kurtz befassen.

Der Stammsitz der steirischen Kurtz-Linie befand sich zwischen 1852 und 1907 in St. Gallen, Obersteiermark / Ennstal, später in Gleisdorf.

Wikipedia: Augustin Maria_Kurtz-Gallenstein

Wikipedia: Arthur Kurtz

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Kino-Fantasie: „Krieg der Sterne“, Gary Kurtz und die ersten Filme der „Star Wars“

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Der Hollywood-Filmproduzent Gary Kurtz, am 27. Juli 1940 in Los Angeles, Kalifornien / USA geboren, hat am 23. September 2018 in London die Erde verlassen. Bekannt wurde er vor allem durch die ersten beiden Kino-Erfolge der Science-Fiction-Filmreihe „Star Waus – Krieg der Sterne“ :

Star Wars – Eine neue Hoffnung“ (1977, später Episode IV genannt) und
Star Wars – Das Imperium schlägt zurück“ (1980, Episode V).

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Seine erste Zusammenarbeit mit dem späteren Star-Wars-Regisseur George Lucas war der Film „American Graffiti“ von 1973 über das Leben von Jugendlichen in einer amerikanischen Kleinstadt Anfang der 1960er-Jahre mit viel Rock’n’Roll-Musik.kurtz-gary-producer-1Wie berichtet wird, kam es nach dem zweiten Star Wars-Film zu Differenzen zwischen  George Lucas und Gary Kurtz, daher trennten sich danach ihre Wege. In einem späteren Interview berichtete Kurtz über die Zusammenarbeit:
Interview Chris Gore in filmthreat.com (englisch)

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Weitere fantasievolle Filme, die von Gary Kurtz produziert wurden, sind
„Der dunkle Kristall“ der Puppenspieler und Erfinder der „Muppets“,
Jim Henson und Frank Oz, sowie „Oz – Eine fantastische Welt“ (Return to Oz) von 1985. Nach dem finanziellen Misserfolg des Films „Return to Oz“ musste Gary Kurtz laut IMDB.com Konkurs anmelden.

Heute zählen Originalstücke aus den Star Wars-Filmen bei Sammlern zu den meistbegehrten Memorabilien. Die hier gezeigten Stücke stammen aus Versteigerungen wie der Entertainment Memorabilia Auction 2017 von Propstore in London / Los Angeles:

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  • „Crew Book“ der STAR WARS TRILOGY (1977-1983) mit Dank an Mitwirkende, signiert von George Lucas und Gary Kurtz, dazu „Star Wars“ Gürtelschnalle, drei Aufnäher und T-Shirt, Schätzwert 1200 bis 1500 Pfund, Zuschlag 2250 Pfund;
  • Türschild mit Aufschrift „Producer“ zum Film „The Empire Strikes Back“ für das als Büro von Gary Kurtz genutzte Zimmer im Hotel „Finse 1222“ in Norwegen, Format 33 x 8 Zentimeter, Schätzwert £800 – 1200, Zuschlag 6500;
  • Vierter Drehbuch-Entwurf für „STAR WARS: A NEW HOPE“ (1977) mit Signatur, Schätzwert £6000 – 8000, Zuschlag £13,000.
  • Helm der „Stormtrooper“ aus „STAR WARS: THE EMPIRE STRIKES BACK“ (1980) im sogenannten „Mk II“-Stil, original verwendet mit Gebrauchsspuren, Schätzwert £40,000 – 60,000, Zuschlag £65,000.
  • Eine andere Auktion brachte im Juli 2012 ein Ergebnis von 225.000 Dollar für den einzigen bis dahin angebotenen „Snowtrooper Helm“ (LiveAuctioneers.com).
  • Das legendäre Lichtschwert von Luke Skywalker aus Episode IV, das 2008 aus der Kollektion des Produzenten Gary Kurtz versteigert wurde, fand einen Liebhaber, der 240.000 Dollar dafür bot.
  • Stormtroopers Helm auf Youtube

Dr. Georg Kurtz: Im Puch unterwegs

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Tänzer sind schon beim Einsteigen im Vorteil. Die hinten angeschlagenen „Selbstmörder-Türen“ trennen Patscherte, die sich vor dem Wägelchen einmal um sich selbst drehen wie der Hund vorm Platzgehen, von Foxtrottgeübten, die den Wagenschlag rechterhand öffnen, nach vorne blickend, die weit aufschwingende Tür mit der Linken fangen, elegant hineingleiten und sie gefühlvoll zuziehen. Die enge Pedalerie ist der zweite Knackpunkt, besonders für alle mit Schuhgröße über 40. Behendes Trippeln verlangt Gefühl im großen Zeh. Spätestens beim unsynchronisierten ersten Gang ist dann endgültig Schluss für Nichttänzer, wobei sich das Getriebe beim Runterschalten auch im Zweiten und Dritten für maßvolles, rhythmisches Zwischengas bedankt. Auch dieses Auto ist nur ein Mensch und will entsprechend behandelt werden.

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Bin ich im heuer 50 Jahre alten, lindgrünen Puch 650 T unterwegs, kalibriert sich die Welt jedesmal neu. Sämtliche Skalen sind nach unten zu verlängern. Man sitzt gleichsam mit dem Allerwertesten eine Handbreit überm Boden, selbst bei ganz nach hinten geschobenem Sitz verhindern die angewinkelten Knie gleichzeitiges Linksblinken und Kuppeln, was bei den eher seltenen Überholvorgängen aber eh wurscht ist, die Zehenspitzen geben ein gutes Gefühl zum vorderen Wagenende, denn sie befinden sich genau dort. Als Airbag dient das vorne im Kofferraum quer stehende, vollwertige Reserverad. Gurten? Welche Gurten? Die Sitze sind bequem, perfekten Seitenhalt geben Tür und Beifahrer. Alle zwei Schalter sind leicht zu erreichen, die Seitenscheiben, auch die rechte, lassen sich ohne jede Verrenkung runterkurbeln. Der linke Rückspiegel ist problemlos durch das Fenster hindurch einzustellen, der rechte war noch nicht erfunden. Am Mitteltunnel sind die Klappe für Heizung, die Handbremse und der Choke — junge Autofahrer, schaut’s halt nach bei Wikipedia — , das war’s. Ergonomics at it’s best.

Puchfahren sollte eigentlich auf Rezept erhältlich sein. Misanthropen sind nach drei bis fünf Sitzungen geheilt. Sie finden sich selbst fröhlich, überrascht von heimeligen Vibrationen und Geborgenheit, quasi im Mutterleib wieder, hören mit dem seligen Grinsen nimmer auf und sind andererseits von stets freundlich winkenden und lachenden Mitmenschen umgeben. Grantig sein geht nimmer. Die Reiseflughöhe beträgt 80km/h, wobei 100 kein Problem ist, allerdings die Arbeit am Lenkrad vermehrt. Wir sprechen hier übrigens nicht vom brustschwachen 16 PSigen 500er sondern dem bärenstarken 650er mit 19,8 PS. Eine gültige Vignette vorausgesetzt und richtig geklebt, damit man vorne noch raussieht, macht auch die Autobahn befahrbar, was aber entbehrlich ist.

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Das artgerechte Revier ist nämlich die gute Landstraße. Ins Beuteschema fallen Mopedautos, Traktoren, aber auch vereinzelt zaghaft bewegte Sonntagsfahrerkisten. Die ehemaligen Zeitgenossen sind, wenn nicht schon ausgestorben, zumindest auf der Roten Liste und auf freier Wildbahn tagsüber kaum mehr zu sehen. Bei Dämmerung und noch später sowieso nicht, weil selten nachtaktiv und das Fernlicht außerdem so schlecht ist.

Das Fahren ist wirklich von entspannter Natur in derselbigen. Man schwimmt problemlos mit, wird oftmals freundlich durchgewunken und erhält völlig neue Blickwinkel, meist nach oben. Beim Stehen, neben einem LKW zum Beispiel, kann man interessiert sehen, mit wie vielen Schrauben bei dem so ein Rad fixiert ist oder was er zwischen den Achsen so alles mitführt. Vor einem LKW geht sich das Volvozeichen seines Kühlers formatfüllend im Rückspiegel aus. Man befindet sich mit Kindern in ihren Trolleys auf gleicher Höhe, ihre Augen strahlen mit denen der jungen Mütter um die Wette.

Mit zurückgerolltem Dach ist das Fahrerlebnis überhaupt unschlagbar. Der luftgekühlte Zweizylinder Boxermotor im Heck sitzt auf der Antriebsachse, die Wege des Kraftflusses sind entsprechend kurz, das Ansprechverhalten sehr direkt. Wenn’ s feucht ist, geht sich ein netter Schlenker mit dem Heck aus, überhaupt ist das Kurvenverhalten geradezu unanständig. Kurzer Radstand, wenig Gewicht, tiefer Schwerpunkt und Heckantrieb, das sind auch sonst die Zutaten für scharf mit alles. Viel unmittelbarer geht Autofahren nimmer, das ESP ist der Hintern, das ABS die trainierte Wade, die Lenkung ist der dünnen Rädchen; wegen naturservoservo. Achja und es gibt eine Handbremse, die dem Namen gerecht wird.

Motorraderfahrene haben Selektionsvorteil wegen des geübten Blicks auf potentielle Deppen. Die aktive Sicherheit ist die Reaktionsschnelligkeit, die passive sind Körperspannung und Bekleidung. Zum Betanken fahre man an den Platz, den der entfernt verwandte Ferrari soeben freigemacht hat, und nehme denselben Rüssel für die 98 oder 100 oktanige Nährlösung. Maximal 15 Liter sind rasch eingefüllt, das Börserl spürt’s kaum. Gourmets gönnen ihm noch ein Stamperl Bleiersatz als Digestiv. Ein Blick noch aufs Öl, wegen vereinzeltem Markieren des Reviers ist manchmal ein Pfiff nachzufüllen. Korrekter Reifendruck verbessert das Fahrverhalten übrigens ungemein. Mehr Technik ist nicht zu kontrollieren, weil nicht vorhanden.

Unterm Strich ist es aufregendes, wirklich lustiges Fahren mit auf Wunsch Herantasten an den Grenzbereich, und das ganze innerhalb aller Höchstgeschwindigkeitsbegrenzungen. Die führerscheinfreie Zone beginnt weiter oben. Geschicktes Durchschwindeln auf mehrspurigen Stadtstraßen gehört zur Paradedisziplin, Vorausblickend auf Zug bleiben und nicht aus dem Rhythmus kommen! Wie gesagt, Tänzer haben’s leichter.

Dr. Georg Kurtz, Gleisdorf

kuratorium für triviale mythen: mythos puch 2015, seite #8

+) Georg Kurtz bei „Mythos Puch“

Mehr zum „Pucherl“ :

Das Pucherl, ein Stück steirische Folklore (Austria-Forum)

Johann Puch Museum, Graz (mit interessantem Blog-Beiträgen)

Johann Puch (1862-1914) auf Wikipedia

Der „Puch-Marsch„, Aufführung nach Wiederentdeckung in Gleisdorf 2014

 

Liebenau bei Graz: Vom Schloss zur Kadettenschule, Erziehungsanstalt und Internatsschule

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Die Kadettenschule im Süden von Graz entstand 1852 anstelle des 1164 erstmals urkundlich erwähnten Schlosses Liebenau. Das Anwesen, das bis in das 17. Jahrhundert auch als „Vatersdorf“ bezeichnet wurde, diente ursprünglich zur Sicherung der Schifffahrt auf der Mur und besaß auch Fischrechte dort. Wegen finanzieller Schwierigkeiten mussten die Schlossherren die Liegenschaft letztendlich an den „Militär-Ärar“ veräußern, der die Umgestaltung in eine Militärschule in die Wege leitete.

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Unter den Poststempeln von Liebenau zählt der Zeilenstempel mit wellenförmigem Rahmen zu den seltenen Sorten (Abb. Auktionshäuser Deider, Lenz).

Über den Besuch des damaligen Kriegsministers Freiherr von Stöger-Steiner mit Gattin in der Kadettenschule Liebenau bei Graz, aus Anlass seines Abschlusses vierzig Jahre zuvor, berichteten die „Reichspost“ am 29. April 1918 und „Das interessante Blatt“ vom 16. Mai 1918.

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„Besuch unseres Kriegsministers: G.d.I. . Stöger-Steiner verläßt nach einer Besichtigung die Kadettenschule Liebenau bei Graz, aus der er vor 40 Jahren in das Heer eingetreten ist“ vermeldete Das Interessante Blatt am 16. Mai 1918. Nach seinem Besuch in Liebenau reiste der Kriegsminister nach Graz weiter, wo er anschließend auch mit dem Schriftsteller Peter Rosegger zusammentraf.

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Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Zuge der von Otto Glöckel vorangetriebenen Schulreformen aus der Militärschule eine „Bundeserziehungsanstalt“, in dem begabte Schüler ungeachtet ihrer sozialen Herkunft und der finanziellen Verhältnisse der Eltern das Gymnasium besuchen konnten. Die friedlichen Zeiten währten allerdings nicht lange, da die Schule während des autoritären Regimes ab 1935 und darauf folgend unter den Nationalsozialisten wieder als Militärschule geführt wurde.

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Reko-Brief mit Inhalt vom 30.IX.1938 aus „Liebenau b. Graz“ an die Feldpost-Übungsdivision Postleitstelle Gloggnitz; in der Einheit befanden sich Österreicher und deutsche Soldaten (Thomas Juranek).

Nach 1945 kehrte man zur Bundeserziehungsanstalt zurück. Trotzdem hielt sich in Graz die Bezeichnung „Kadettenschule“ bis in die 1960er Jahre.

Im Rahmen einer Schulreform Ende der 1970er Jahre wurde aus der Bundeserziehungsanstalt eine „Höhere Internatsschule des Bundes“ (HIB), die bis heute nicht nur eine gute Ausbildung bietet, sondern auch für die sportlichen und künstlerischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler bekannt ist.

Quellen: Austria-ForumWikipedia, HIB Liebenau, Postkartensammlung GrazMuseum Online, Österreich100.at, philasearch.

Äpfel, Krüge, Tücher: Die Stillleben von Camillo Kurtz – ein „Cézanne der Steiermark“

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Das Panorama der Gemälde von Camillo Kurtz (1896-1973) konzentriert sich auf mehrere Schwerpunkte, die in zahlreichen Varianten wiederfinden lassen. Dazu zählen seine sorgfältig komponierten Stillleben aus wenigen Elementen, die Vergängliches in der „nature morte“ zur bleibenden Präsenz in zeitloser Wirkung vereinen.

Seine Biografie im Katalog zur Ausstellung „Aufbruch in die Moderne?“ im Universalmuseum Joanneum Graz von 2014 merkt dazu an, dass in diesen Bildern „seine Auseinandersetzung mit Cézanne deutlich“ werde. Sicher hat Camillo Kurtz in seinen Studienjahren in Paris das Werk von Cézanne kennen und schätzen gelernt, wie stilistische Merkmale nahe legen.

Im Online-Archiv des Dorotheum (unter http://www.dorotheum.com) sind drei Werke von Camillo Kurtz registriert, die zu einem interessanten Vergleich anregen. Sie wurden in den vergangenen Jahren zu dreistelligen Preisen ausgerufen, wie die meisten seiner Werke leider undatiert :

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2012

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2016

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2018

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Unsigniert, aber sicher korrekt zugeschrieben ist ein Angebot aus der Galerie und Kunsthandel Hartl, Wien:
– Kurtz Camillo, „Wasserkrug, Weinkrug und Apfel“ (Bildgröße 55,5 x 73 cm, mit Rahmen 66,5 x 84 cm, Preisangabe: € 1.800,- exkl. Versand).

Biografie aus dem Katalog zu „Aufbruch in die Moderne?“ 2014, Universalmuseum Joanneum Graz :
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Zum Vergleich einige der Stillleben von Paul Cézanne (1839-1906) aus Wikipedia, die heute überwiegend mit zweistelligen Millionenbeträgen bezahlt werden :
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Stillleben mit Wasserkrug, 1892/93, Tate Gallery, London

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Stillleben mit Vorhang, Krug und Obstschale, 1893–94, versteigert am 10. Mai 1999 für 60,5 Millionen Dollar, nach Schätzung auf 15 Millionen …

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Stillleben mit Äpfeln und Orangen, 1895–1900, Musée d’Orsay, Paris
hier eine Interpretation dazu

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Stillleben mit Obstschale, 1879–80, Museum of Modern Art, New York.

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Maurice Denis: Hommage à Cézanne, 1900, Musée d’Orsay, Paris

Im Jahr 1901 stellte Maurice Denis sein 1900 entstandenes großformatiges Gemälde Hommage à Cézanne (180 x 240 cm) mit umstrittener Wirkung in Paris und Brüssel aus. Zu sehen ist darauf die Pariser Galerie von Ambroise Vollard, in der Cézannes Gemälde Stillleben mit Obstschale präsentiert wird, früher im Besitz von Paul Gauguin. Unter den porträtierten Personen erscheinen: Odilon Redon, links im Vordergrund stehend, hört Paul Sérusier ihm gegenüber zu. Von links nach rechts abgebildet sind Edouard Vuillard, der Kritiker André Mellerio mit Zylinder, Ambroise Vollard hinter der Staffelei, Maurice Denis, Paul RansonKer-Xavier RousselPierre Bonnard mit Pfeife, und ganz rechts Marthe Denis, die Ehefrau des Malers
(Beschreibung nach Museum: www.musee-orsay.fr).

 

 

 

Exlibris für Gerhard Ramberg: Goethe-Porträt von Arthur Kurtz, anno 1911

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„Ex Libris“ – Aus Büchern, kurz „Exlibris“ – lautet die lateinische Bezeichnung für Drucke, die als Besitzerzeichen meist vorne in Büchern eingeklebt werden, für Bibliotheken und Privatleute oft von bekannten oder vergessenen Künstlern gestaltet. Eine frühe Blüte erlebten die Exlibris im 16. und 17. Jahrhundert, als bedeutende Maler und Graphiker wie Albrecht DürerLucas CranachHans Holbein, Hans Burgkmair, Hans Baldung Grien, die Brüder Sebald Beham und Barthel Beham kunstvolle Holzschnitte und Stiche schufen. Im späten 19. Jahrhundert erwachte die Kunst der Exlibris neu und schuf äußerst gelungene Beispiele in vielen Stilformen und Techniken, für die sich ein eigener Sammlerkreis bildete.

Eine Internet-Offerte brachte im Juli 2018 ein Exlibris zum Vorschein, das der Künstler Arthur Kurtz (1860-1917) laut Signatur 1911 für die Bibliothek von Gerhard Ramberg gestaltet hat – mit einem Porträt des Dichters Johann Wolfgang von Goethe, dem Zeichen der Freimaurer, einer Eule links und einer nackten Muse mit Lorbeerzweig, im Lichtdruck ausgeführt  :

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Der Schriftsteller und Herausgeber Gerhard Ramberg (-Mayer, 1862-1945), gut bekannt mit dem großen österreichischen Maler Hans Makart (1840-1884), schrieb um die Jahrhundertwende einige interessante Beiträge und Bücher über Kunst und Theater seiner Zeit; er wird zudem als Redakteur der „Wiener Exlibriszeitung“ genannt.
So findet man unter seinen Publikationen:

– Heutige Kunst : Ein Rundgang durch die Internationale Jubiläums-Kunst-Ausstellung zu München, 1888, 3 Auflagen

– Hellmalerei : Ein Spaziergang durch den Münchener Glaspalast im Sommer 1889

– Ein Preisausschreiben : Künstler-Novelletten, Herausgegeben von G. Ramberg, 1889, 3 Auflagen

– Die moderne Kunstbewegung : Zweck und Wesen der Secession, 1898, 2 Auflagen
Online unter Ramberg – Die moderne Kunst, 1898

– Theater-Plaudereien, 1900, 2 Auflagen
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Eine Porträtskizze P. K. Roseggers von G. Ramberg. unter dem Titel „Von der Nadel zur Feder“ ist 1888 in der „Gartenlaube“ erschienen und kann online gelesen werden:
„Von der Nadel zur Feder. Eine Porträtskizze P. K. Roseggers von G. Ramberg.“

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Könnte es sein, dass die erste Bekanntschaft zwischen Arthur Kurtz und Gerhard Ramberg bereits auf die „Münchner Zeit“ der späten 1880er-Jahre datiert?

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„Exlibris Gerhard Ramberg – Doctor Rosegger“, Lichtdruck, Blattgröße 15,1 x 10,2 cm, im Druck signiert und datiert (1911).
Rückseitig mit gedrucktem Widmungsvermerk : „Exlibris zu Ehren Dr. P Rosegger Mittelbild, darstellend des Dichters Geburtshaus, nach einer Federzeichnung von Rosegger selbst, Umrahmung von Arthur Kurtz-Wien“.
(Sammlung G. Blum, Inv-Nr. B-25187).
gesehen bei: Signum Antiquariat (Kronberg, Deutschland) auf http://www.zvab.com,
ebenso wie die beiden folgenden Exlibris für Gerhard Ramberg :

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Wilhelm / William Unger (Hannover 1837 – 1932 Innsbruck, Radierer und Kupferstecher), 1871 zum Professor an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar berufen; 1881 Direktor der Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie; 1884 er zum Mitglied der Schwedischen Akademie der Künste gewählt. 1894 Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien.
1928 Autobiografie „Aus meinem Leben“.
Undatiertes Klischee „Ex Libris Gerhard Ramberg Wien“, Büttenpapier, 11 x 7,8 cm, im Druck signiert (Sammlung G. Blum, Inv.-Nr. B-49544).

Ein im Stil völlig anders gestaltetes Exlibris für „Gerhard Ramberg“ schuf der deutsche Maler, Grafiker und Exlibris-Künstler Willi Geiger (1878-1971, Vater des Künstlers Rupprecht Geiger, 1908-2009) im Buchdruck, Format 7,2 x 7,5 cm. Im Druck signiert und datiert „1911“ (Schreyl Nr. 1911/ 163).
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(Abb. + angeboten bei Signum Exlibris Shop)

Das dänische „Frederikshavn Art Museum & Exlibris Collection“ pflegt die Kunst der Exlibris mit mehr als 20 jährlichen Ausstellungen. Es verfügt über eine der weltweit umfangreichsten Kollektionen mit etwa 450.000 Exemplaren und einer Bibliothek mit etwa 7000 Titeln. Aus den Drucken für Gerhard Ramberg zeigt es in der Online-Präsentation ein „Bücherzeichen“ von L.V. Angerer, das eine Fotografie aus dem Arbeitszimmer mit Schreibtisch des Schriftstellers Ramberg zu zeigen scheint :
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Hier noch ein Beispiel des Wiener Sezessionisten Koloman Moser (1868-1918) als Zinkätzung für Adele Bloch um 1905.

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Die Dame der Wiener Gesellschaft wurde durch das berühmte Gemälde „Goldene Adele“ von Gustav Klimt (1862-1918) verewigt. Der amerikanische TV-Star Oprah Winfrey hatte das Bild nach der spektakulären Restitution 2006 für knapp 88 Millionen Dollar erworben und 2017 für 150 Millionen verkauft – eines der teuersten Gemälde der Welt…
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(Abb. Wikipedia).

Der „Stinkefinger“ des Künstlers: Von Ai Weiwei zu Dr. Freud

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Der am 28. August 1957 in Peking geborene chinesische Künstler Ai Weiwei zählt zu den bedeutendsten Art-isten unserer Zeit. Eine Vielzahl eindrucksvoller Ausstellungen, Projekte und Objekte hat er in aller Welt realisiert. In Graz zog er im September 2016 das Publikum zur Eröffnung seiner Schau „Geknetetes Wissen“ zum „Steirischen Herbst“ an (siehe „Kleine Zeitung“ – Fotos: http://www.museum-joanneum.at).

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Eine seiner Serien mit politischen Aussagen in Verbindung mit Sehenswürdigkeiten hat er über die vergangenen Jahrzehnte zusammengestellt: Sein ausgestreckter „Stinkefinger“ auf Selfie-Fotos demonstriert die Geste der Respektlosigkeit („Fuck off!“) gegenüber Institutionen und Bauwerken, die für Machtausübung stehen – vieldeutig betitelt als „Study of Perspective“…

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Zum 100. Tag der Regierung Trump in den USA entstand eine spezielle Edition mit „The Finger“ vor dem Weißen Haus auf Skateboard-Decks

Eine Zusammenstellung dieser Motive zeigt die Seite:
http://gofuckyou.altervista.org/ai-weiwei-fuck-off/

Eine grafische Version von 2015 ist auch als Wandtapete entstanden…AiWeiwei-finger-1-xnc1

Ein Objekt, das diese Reihe zusammenfasst, ist „The Artist’s Hand“ von 2017. Der originalgetreue Abguss der Hand des Künstlers in der respektlosen Geste lässt selbst die Fingerrillen erkennen. Das Objekt aus Kunstharz hat eine silbern metallisch glänzende Beschichtung aus Rhodium erhalten, einem raren und teuren Metall. Die Auflage betrug 1000 Exemplare mit integrierter Signatur auf der Unterseite. Sie wurden im Rahmen einer Charity-Aktion zu Gunsten des New Yorker Public Art Fund angeboten und waren nach wenigen Stunden ausverkauft. Seither sind die Preise auf fünf- bis zehnfache Beträge gestiegen…

(Fotos: NY Public Art Fund / Ebay for Charity)

Eine weitere Charity-Aktion lief 2018 ebenfalls über die Internet-Plattform Ebay – mit sechs von mehr als 200 Laser-gestanzten Banner-Fahnen nach Fotos von Einwanderern und Menschen aus Flüchtlingslagern. Darunter auch ein bekanntes Porträt von Dr. Sigmund Freud (1856-1939), der als Begründer der Psychoanalyse gilt und 1938 nach London emigrierte, um als Jude der Verfolgung durch Nationalsozialisten zu entgehen…AiWeiwei-banner-set-6-1

Dr. Freud aus der Serie „Banners“

Das meistgefragte Motiv der Edition und Original in der Ausstellung „Good Fences Make Good Neighbors“ in New York – geplante Auflage maximal 500 Exemplare.

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(Nach Robert Longo’s Zeichnung aus „Freud Cycle“, 2002: Türschild und Guckloch an der Wiener Wohnung von Sigmund Freud;
Foto/Montage: Michael Burzan)

Weitere „Stinkefinger“

Der erste fotografische Nachweis eines „Stinkefinger“ stammt übrigens laut Wikipedia aus dem Jahr 1886, gezeigt vom Spieler Charles Radbourn (1854-1897) auf einem Gruppenbild zum Major League Baseball Opening Day mit seiner Baseball-Mannschaft, den „Boston Beaneaters“ und den „New York Giants“ …

Den „Stinkefinger“ im Straßenverkehr zu zeigen, ist in Österreich keine strafbare Handlung – wie vor einigen Monaten festgestellt wurde …

Urteil nach www.blick.ch

Eine andere Interpretation bietet die aus Olivenholz geschnitzte Skulptur „Vaffanculo – Stinkefinger“ von Rolf Horn, der 1944 in Prag geboren wurde und seit 1992 als Maler, Schriftsteller, Bildhauer und Olivenbauer in der Toskana lebt …

Vaffanculo – Stinkefinger

„Stinkephallus“ – Aus weiblicher Sicht…

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Die Apokalypse: Walter E. Kurtz, Marlon Brando und Joseph Conrad mit dem „Herz der Finsternis“

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Der berühmt-berüchtigste Träger des Namens Kurtz im 20. Jahrhundert ist eine Romanfigur. Geschaffen hat sie der Abenteurer und Schriftsteller Joseph Conrad in seiner Erzählung „Herz der Finsternis“ (Heart of Darkness“) von 1899.

Er berichtet darin über den belgischen Elfenbeinhändler Kurtz, der sich im Kongo von Eingeborenen wie ein Gott verehren ließ und in Wahnsinn verfiel.

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Verfilmungen

Francis Ford Coppola hat diese Figur als Vorlage für seinen Film „Apocalypse Now“ (1979) in Colonel Walter E. Kurtz verwandelt, grandios gespielt von Marlon Brando.

Orson Welles hatte bereits 1940 eine Verfilmung des Stoffs vorbereitet, aber nicht realisiert. In der ersten Verfilmung von 1958 wurde Kurtz von Horror-Altstar Boris Karloff verkörpert. Der Film Aguirre, der Zorn Gottes von Werner Herzog mit Klaus Kinski aus dem Jahr 1972 soll zu großen Teilen von Conrads Buch inspiriert sein.

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(Bildquelle: villains.wikia.com)

Am bekanntesten ist die mit zwei Oscars ausgezeichnete Umsetzung des Stoffes von Star-Regisseur Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979, der die Geschichte in den Vietnamkrieg transportierte und mit großem Staraufgebot (Marlon Brando, Martin Sheen, Robert Duvall, Dennis Hopper, Laurence Fishburne und Harrison Ford) als Antikriegsfilm in die Kinos brachte: Apocalypse Now.

www.kinofilmer.de : Apocalypse Now
fosterthoughts.wordpress.com: Colonel Walter E. Kurtz
www.irishtimes.com: How Kurtz became Hollywood’s Greatest Villain

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Ein interessantes Unikat kam am 27.9.2016 in London als Los 36 in Sale 44 der Entertainment Memorabilia Live Auction zur Versteigerung:
APOCALYPSE NOW (1979) – Colonel Kurtz (Marlon Brando) Magazine Cover, Script Pages and Shooting Schedule – eine imitierte Titelseite des TIME Magazine vom Juli 1968 mit dem Bild von Marlon Brando als Colonel Kurtz, dazu Manuskriptseiten und ein Drehplan (siehe Abbildung zu Beginn dieses Beitrags).

„The cover was made for the production, but ultimately not seen on screen, however the photograph featured on the cover was used for the scene in which Captain Willard (Martin Sheen) is briefed about his mission to assassinate Kurtz, and in a magazine included in Willard’s intelligence packet. The cover is dated 19 July 1968. The piece shows Kurtz in his combat fatigues and Special Forces beret, and is printed on semi-gloss paper.

It is accompanied by two dialogue pages detailing the interrogation of Willard by Kurtz, featuring handwritten dialogue additions by Coppola, and a shooting schedule for the remaining shoot days featuring Marlon Brando. The cover remains in very good condition, with stains and creases to the production paperwork. Cover dimensions: 28 cm x 21 cm (11″ x 8 1/4″)“.

Auf £600 – £800 geschätzt, erfolgte der Zuschlag bei £1,000.

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Auch ein unikates Kleidungsstück wurde meistbietend versteigert: das Hemd in militärischem Schnitt mit Namensbezeichnung „KURTZ“, wie es von Marlon Brando in einer Filmszene getragen wurde:
„Lot 37: APOCALYPSE NOW (1979) – Colonel Walter E. Kurtz’s  (Marlon Brando) Shirt, 
from Francis Ford Coppola’s Oscar®-winning Vietnam War epic Apocalypse Now. This shirt originates from the personal collection of Apocalypse Now writer John Milius, and screen matches the shirt seen hanging in the room in which Captain Willard (Martin Sheen) recovered from his brutal solitary confinement in Kurtz’s encampment. Kurtz’s American combat shirt features four pockets on the front, epaulettes, and button fastenings down the front and at the cuffs. Patches for the character of Kurtz – including rank patches, Airborne Ranger unit insignia and Kurtz’s nametapes – are stitched to the chest, collar and arms.“

Das Hemd wurde vom Schätzpreis ab £3,000 bis auf £7,500 getrieben.

Jüngere Versionen

Die Erzählung wurde 1993 erneut unter dem Titel Heart of Darkness von Nicolas Roeg mit Tim Roth, John Malkovich und Iman Abdulmajid in den Hauptrollen als Fernsehfilm verfilmt.

Auch die Computerspiele Far Cry 2 (2008) und Spec Ops: The Line (2012) wurden von der Erzählung inspiriert. Während Far Cry 2 einen fiktiven, von Bürgerkrieg zerrütteten afrikanischen Staat als Schauplatz wählt, verlegt Spec Ops: The Line das Geschehen in ein von Sandstürmen vollkommen zerstörtes Dubai. (Wikipedia)

Efrem Kurtz, ein Star-Dirigent und die Musik – mit Tänzerinnen und Pudel

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Oskar Kurtz (1863-1927), Bruder der Kurtz-Maler, Erfinder des „Streich-Orchestrion“ und einer mechanischen Geige, war der wohl erfolgreichste Musikant der talentreichen Familie.

Ein kaum verwandter Träger des Namens, der die Welt der Musik über Jahrzehnte prägte, ist der russische Dirigent Efrem Kurtz (Ефрем Курц, 1900–1995). Geboren am 7. November 1900 in Sankt Petersburg, studierte er dort am Konservatorium unter anderem mit bedeutenden Zeitgenossen wie Alexander Glasunow (1865-1936) und Nikolai Tscherepnin (1899-1977). Weitere Stationen seiner Ausbildung waren Riga, Berlin und in Leipzig, zuletzt als Schüler des ungarischen Dirigenten Arthur Nikisch (1855-1922).

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Das Debut von Efrem Kurtz als Dirigent erfolgte bei einer Tournee-Begleitung der legendären Tänzerin  Isadora Duncan (1877-1927), gefolgt von einer Konzertreihe mit den Berliner Philharmonikern. Von 1924 bis zur Auflösung des Orchesters 1933 leitete er die neu gegründeten Stuttgarter Philharmoniker.

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Von 1928 bis zu ihrem Tod 1931 begleitete Efrem Kurtz auch die berühmte russische Primadonna des Ballett, Anna Pawlowna Pawlowa (1881-1931) und ihre Compagnie.

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(In Australien wird bis heute eine Süßspeise „Pavlova“ genannt.)

1944 wurde Efrem Kurtz amerikanischer Staatsbürger und setzte seine Laufbahn in den Vereinigten Staaten fort. Von 1943 bis 1948 führte er die Kansas City Philharmony als Musikdirektor. Wie der obige Cartoon-Fund zeigt, brachte der Maestro sogar seinem Pudel „Dandy“ bei, Tonleitern auf dem Piano zu spielen – der Hund wurde sogar zum Werbeträger in einer Whiskey-Reklame von 1948 …kurtz-efrem-Dandy-ad-01-xc1

 

Eine immer noch großartige Interpretation der zum Kriegsende entstandenen Neunten Symphonie von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) mit dem New York Philharmonic Orchestra vom April 1947 ist auf Youtube zu hören:

1948 bis 1954 übernahm er die Leitung der Houston Symphony. 1955 bis 1957 amtierte er neben Sir John Pritchard als Chefdirigent des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Danach konzertrierte sich Kurtz auf seine Tätigkeit als Gastdirigent, auch in der Sowjetunion, in die er 1966 zum ersten Mal zurückkehrte. Er nahm insbesondere in den 1940er und 1950er Jahren Schallplatten für Columbia Records und EMI auf.

(nach deutscher Übersetzung der englischsprachigen Wikipedia-Eintragungen).

(Fotos von Ebay, Wikimedia)

Von beiden Stars der Musik signiertes spätes Foto von Efrem Kurtz und seiner zweiten Frau, der Flötistin Elaine Shaffer (1925-1973). kurtz-efrem-shaffer-sig2

 

 

Anneliese Burzan-Kurtz zum Gedenken (* 12. Juli 1931)

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Vor 87 Jahren wurde sie in Gleisdorf in der Steiermark geboren: Anna Elisabeth Kurtz, eines der Maderln aus der Familie von Dr. August Maria Kurtz (1899-1990) und seiner Frau „Jenny“, geborene Eugenie Steiner (1906-2001). Ihre kunstvolle Expression nach der Hochzeit mit Gerhard Burzan (1922-2010), dem Umzug nach Baden-Württemberg und ihrer Familiengründung beendete ihr früher Tod durch Leukämie am 10. September 1980.

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Ihr Bruder Dr. Walter Kurtz, praktischer Arzt und Psychologe in Gleisdorf, beschrieb ihre künstlerische Entwicklung mit den Worten:
„Ihr kämpferisch sprühendes Temperament fand in den Jahren nach 1960 Ausdruck in einer starken und gefühlsreichen bildenden Kunst.
Ihre Zeichnungen, Aquarelle, Enkaustikarbeiten und Batiken teilen in hohem Maße ihre Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität mit.
Ihre Gedichte zeugen von der Tiefe ihrer Seele.

… Noch in den letzten Jahren vor ihrem Tod 1980 ist ihr trotz oder gerade wegen des Leidens an Leukämie ein besonders tiefer Ausdruck in ihrer Kunst gelungen.“

Aus den 1960er-Jahren stammen erste „freie“ Bilder, darunter Zeichnungen und Aquarelle von Ansichten rund um Ludwigsburg sowie Tonarbeiten. Ende der 1960-er intensiviert sie ihre persönliche Weiterentwicklung mit Kursen in unterschiedlichen Techniken, schon wenige Jahre später wird sie selbst Kurse geben.

Die 1970er-Jahre werden ihre kreativste Schaffensphase. Viele Anregungen erhält sie auf Reisen, bevorzugt in mediterrane Länder. 1972 beginnt die Reihe ihrer 20 Skizzenbücher mit einer Griechenland-Reise, die sie mit ihrem Mann unternimmt.

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Ihre bevorzugten Motive zeigen das breite Spektrum ihrer Interessen,
von Kunstwerken der klassischen Antike, über Städteansichten zu Menschendarstellungen. Sie skizziert gerne bei Konzerten und musikalischen Aufführungen, der Musik ist verbunden durch eigenes Flötenspiel und Gesang.

Beim Zeichnen entwickelt sie schon früh einen schnellen klaren Strich,
der Szenen rasch erfasst. Dabei verwandelt ihre Fähigkeit zur Abstraktion die Darstellungen vom Abbild des Moments oft zur zeitlosen Aussage. Einige Motive erscheinen bereits in den Skizzenbüchern und werden später mehrfach in unterschiedlichen Techniken weiter entwickelt. Bei der Farbwahl hat sie keine Scheu vor strahlenden Tönen und starken Kontrasten.

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Dazu entwickelt sie eigene Techniken, von der Batik ausgehend, basierend auf Wachszeichnungen, kombiniert mit Aquarell-Farben auf Papier, Japanpapier oder Stoff – das ergibt einen besonders flüssigen Strich, der sich weiß vom farbigen Untergrund abhebt, die Motive erscheinen schwebend, besonders leuchtkräftig, teilweise wie Glasfenster wirkend.

 

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Ab Mitte der 1970er Jahre beginnt die Reihe ihrer erfolgreichen Ausstellungen in der südwestdeutschen Region, später auch in ihrer Heimat und in Graz.

Ihr intensives Engagement in der neu entstandenen Gemeinde St. Paulus, Ludwigsburg-Schlösslesfeld, führt zu einem Spektrum an religiös geprägten Motiven und abstrahierten Szenen der christlichen Traditionen und Mythologien. Sie gestaltet Plakate, einen Kalender, zu den Hauptwerken zählt dort ein etwa einen Meter hoher Leuchter aus Ton mit einer tragenden Figurengruppe. 1976 wird einer ihrer Entwürfe in der Schweiz zu einem großen Wandteppich über mehrere Quadratmeter umgesetzt. 1980 erscheint in ihrem letzten Lebensjahr eine Kunstmappe mit 12 Grafiken unter dem Titel „Gemeinde“.

Im April 1978 steht die Diagnose fest: sie hat Leukämie, unheilbar und mit unbestimmter Überlebenszeit. Sie will und wird weiter malen , arbeiten und ausstellen, konzentriert sich nun noch intensiver auf die Vollendung ihres Spätwerks noch in jungen Jahren. Ab Herbst 1978 richtet sie ein eigenes Atelier in Räumen des nahe gelegenen Schloßguts Harteneck in Schlösslesfeld ein. Eine große Serie strahlender Blumenbilder entsteht („Floriade“), in allen Facetten von zarten Farbenklängen bis zu Farbexplosionen.

Ihre letzte große Ausstellung findet im Mai 1980, wenige Monate vor ihrem Tod statt, in der Tagungsstätte Löwenstein, unter dem Namen Anneliese Burzan-Kurtz, mit dem sie auf ihre Heimat und Verbundenheit mit der Kurtz-Familie verweist.

Danach werden die Krankenhausphasen länger und hoffnungslos, aber noch im Krankenbett zeichnet sie Besucher und ihre Blumensträuße. Am 10. September 1980 wird sie von ihrer Leidenszeit erlöst.

Schlussakkord

Ich kann nichts verlieren,
sondern alles gewinnen in Dir
ich habe gelebt, war begeistert
hab aus dem Vollen geschöpft
war alles hier

jetzt bin ich enttäuscht
erschöpft
was sollen wir hier
ich will nicht klagen
mehr war nicht drin
ich wag es zu sagen
nimm mich hin

Es gibt nichts zu verlieren
es ist alles Gewinn.

(unveröffentlicht)

Weitere Texte :
Texte Anneliese Burzan-Kurtz

  • Eremitage Zeitschrift für Literatur,
    Ausgabe 18 „Bio-Pix“, Seite 125-127

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Copyright der Bilder: Archiv Burzan/Kurtzarchiv

Hundstage und Hundejahre

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Für viele Generationen der Kurtz-Familie sind Hunde zu treuen Begleitern geworden. Hier auf einem Gruppenbild der Familie von Camillo Kurtz und Anna Keller. Für Dr. August Kurtz war sein „Tasso“ über viele Jahre unentbehrlich, auch auf seine Überlandtouren zu Patientenbesuchen kam er selbstverständlich mit.

Nach dem chinesischen Tierkreis-Kalender befinden wir uns seit 16. Februar 2018 im „Jahr des Hundes“, das noch bis 4. Februar 2019 läuft. Für mehr als 650.000 Hundehalter in Österreich ist er „der beste Freund des Menschen“. Kein anderes Haustier ist derart eng und langfristig mit der Kulturgeschichte des Menschen verbunden wie die vielen Gattungen der „Canidae“. Mehrere Aktionstage sind ihnen gewidmet: in Deutschland steht der „Tag des Hundes“ im Juni auf dem Programm; in englischsprachigen Ländern wie Großbritannien, Irland, Kanada und USA gilt der 26. August als „National Dog Day“; der „Internationale Welthundetag“ widmet sich am 10. Oktober ihren hervorragenden Eigenschaften und Leistungen.

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„Hundstage“ werden bei uns auch die heißen Tage im Sommer genannt; im Russischen und Spanischen steht die Bezeichnung gleichzeitig für die Sommerferien. Die Periode vom 23. Juli bis 23. August galt schon in römischen Zeiten als „dies caniculares“, weil damals das Sternbild „Großer Hund“ (Canis Major) mit dem „Hundsstern Sirius“ hell am Himmel sichtbar wurde.

 

Norbertine Bresslern-Roth

Als weltweit bedeutendste Tiermalerin des 20. Jahrhunderts gilt die Grazer Künstlerin Norbertine von Bresslern-Roth (1891-1978), eine der ersten Frauen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg zum Studium an der Wiener Kunstakademie zugelassen wurden. Bereits 1912 erhielt sie als erste Ehrung von ihrer Heimatstadt die Silbermedaille der Stadt Graz. In den 1920er Jahren beschäftigte sie sich als eine der Ersten intensiv mit dem neuartigen drucktechnischen Verfahren des Linolschnitts und schuf in dieser Technik zahlreiche Tierdarstellungen. 1932 erhielt sie den Professorentitel verliehen; 1951 wurde sie Ehrenpräsidentin des Steirischen Kunstvereins.

Postalische Begleiter

Im Postwesen hat sich die Bedeutung der Hunde über die Jahrhunderte stark gewandelt. Zu Zeiten der Postkutschen und Postillione wurden sie vielfach als Begleiter zur Sicherung gegen Überfälle eingesetzt. Eine Beförderung per Hundepost wurde nicht nur in entlegenen Gebieten der Schweiz und in Belgien über Jahrzehnte praktiziert; auch in Alaska, Grönland, Kanada, Sibirien und an den nordamerikanischen Seen galt der Hundeschlitten jahrhundertelang als übliches Beförderungsmittel auch für Postsendungen.hund-austria-Dackel-Graz-01-x1.jpgWer vierbeinigen Lieblingen bevorzugt ohne jedes Risiko begegnet, zu nahe Bekanntschaft mit ihrem Gebiss zu machen, findet viele Möglichkeiten bei Sammelstücken aller Art – mit Zähnen oder ohne.

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Die erste Sondermarke Österreichs mit einem Hundebild stammt von 1966 und zeigt einen jungen Fuchshund. Sie ist dem Wiener Tierschutzverein gewidmet: Mit dem Motto „Tiere schützen heißt Menschen nützen“ gründete der Wiener Dichter Ignaz Franz Castelli (1781-1862) im Jahr 1846 den Niederösterreichischen Verein gegen Misshandlung der Tiere in Wien, später Wiener Tierschutzverein, und machte sich den Tierschutz zur Lebensaufgabe.

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Ein humorvolles Motiv gestaltete der St. Pöltener Künstler Manfred Deix (1949-2016) für die Reihe „Haustiere“ aus 2002. Dazu berichtete die Post Austria: „Funde von 14.000 Jahre alten Hundeknochen belegen, daß bereits in der Urzeit der Hund beim Menschen als Haustier gelebt haben muss. Hunde sind der Familie der Landraubtiere zuzuzählen und waren schon in allen alten Kulturen des eurasischen Raumes als Gefährten des Menschen bekannt. Hunde sind Zehengänger, haben 4 bis 5 vordere und 4 hintere stumpf bekrallte Zehen. Die Kiefer sind zu einer Schnauze verlängert und tragen 42 kräftige Raubtierzähne. Mangels ausgebildeter Schweißdrüsen geben sie überschüssige Wärme durch Hecheln ab. Ein ausgeprägter Gehör- und Geruchsinn ermöglicht dem Hund manches zu erkennen und dem Menschen auf verschiedene Art mitzuteilen, was diesem sonst entgehen würde. Hündinnen werden zweimal im Jahr läufig und werfen rund 10 Welpen, deren Augen sich erst nach etwa 14 Tagen öffnen. 500 Hunderassen, wie sie nicht unterschiedlicher in Größe, Fell, Farbe sein könnten, finden Verwendung als Wach-, Schutz- und Gebrauchshunde, als Hirten-, Jagd-, Windhunde oder Haushunde, als Blindenhunde und für Rettungseinsätze vieler Art, wollen aber, wie ihre Betreuer, für ein ungestörtes Zusammenleben mit den Menschen erzogen sein. Außer der bereits lang bekannten Verwendungsform als Begleithunde haben in der letzten Zeit Partner- und Therapiehunde für Behinderte, aber auch für Kranke Bedeutung erlangt und sich zunehmend als äußerst erfolgreich erwiesen. Sogar Spezialisten sind versucht, vom ‚Psychologen mit der kalten Schnauze‘ zu sprechen.“

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Zum 100. Todestag der mährisch-österreichischen Schriftstellerin Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830-1916) erschien im März 2016 ein Wert mit ihren Porträt, einem Hundekopf rechts, dazu links Pfotenspuren und der Titel ihrer bekanntesten Erzählung „Krambambuli“. Die anrührende Geschichte vom Jäger Hopp und seinem Hundeliebling – einst gegen zwölf Flaschen des gleichnamigen Likörs eingetauscht -, die unter ihrer Treue leiden müssen, ist zum Volksgut geworden und seit der ersten Veröffentlichung von 1883 in vielen Auflagen erschienen.

 

Der Höllenhund

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Die Ausstellung „Wundertiere“ des Universalmuseum Joanneum in Schloss Eggenberg von 2016 präsentierte unter den „Tieren des Feuers“ den dreiköpfigen Höllenhund Kerberos, der im antiken Mythos den Eingang zur Unterwelt hütet. Mit flammenden, geifernden Mäulern, Löwenklauen, manchmal auch mit einer Mähne aus züngelnden Schlangen, hindert er die Schatten der Verstorbenen daran, wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren.

Auch nach dem Ende der Ausstellung kann man weiterhin kleine Entdeckungsreisen online durch diese Welten der Wundertiere machen:
> Eine Online-Entdeckungsreise

Michael Burzan

 

 

 

Wilde Wasser und wilde Berge in Wildalpen

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Verwandtschaftliche Beziehungen der Kurtz-Familie in die Region von Wildalpen und nach Tirol entstanden, als Aurelia Maria Kurtz (1895-1990) Josef Gamper heiratete, der am 10. August 1898 in Meran geboren wurde und im Zweiten Weltkrieg verschollen war.  Aus diesem Familienzweig gingen die Gampers, Ehgartners, Kirchsteigers, Kleeweins und Lakners hervor.

Mit dem Künstler Camillo Kurtz (1896-1973), einem der Brüder von Aurelia, der gern zu Besuch, zum Malen und Zeichnen in die Gegend kam, war Christian Ehgartner noch in Jugendzeiten unterwegs.

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Ein Foto aus früheren Jahrzehnten erinnert an „Tante Relli“, Aurelia Kurtz, schon damals beim „Rafting“ auf einer Partie mit einer Gruppe auf einem Floß den Fluss hinab … (mit Dank an Karl Andreas Kurtz).

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Seit Jahrzehnten führt ihr Enkel Christian Ehgartner in Wildalpen seinen www.kajakshop.at und bietet Wildwasserfreunden Zubehör, Rat und alles Wissenswerte über sportliche Aktivitäten und Touren in der beliebten Region.

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Wildalpen ist eine österreichische Gemeinde im steirischen Bezirk Liezen, am Nordfuß des Hochschwab-Massivs am Fluss Salza. Im Ort leben weniger als 500 Einwohner, damit beträgt die Bevölkerungsdichte nur 2,3 Einwohner pro Quadratkilometer, eine der geringsten in ganz Österreich. Die Ausdehnung der Gemeinde erreicht jedoch eine Fläche von mehr als 200 km², was ungefähr der Hälfte von Wien entspricht; mehr als die Hälfte steht als Quellschutzgebiet unter Naturschutz. (Wikipedia).

Die ältesten menschlichen Spuren brachte 2010 in der Arzberghöhle in Wildalpen ein sensationeller Fund ans Tageslicht: eine bearbeitete Steinklinge, die auf ein Alter von 29.000 bis 36.000 Jahre datiert wurde, von einem frühen Jäger in dem wildreichen Gebiet.

850 Jahre Wildalpen

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Sondermarke von 1989:
Ortsansicht mit ehemaligem Hammerwerk am Säusenbach und Gemeindewappen
© Österreichische Post

Das 850. Jubiläumsjahr legt das Diplom vom 10. Oktober 1139 zu Grunde, in dem Erzbischof Konrad I. zu Friesach dem Stift Admont alle Schenkungen bestätigte, wobei auch erstmals der Name von Wildalpen genannt wird. In den frühen Jahrhunderten standen vor allem Waldnutzung, Fischerei und Jagd im Vordergrund der wirtschaftlichen Interessen. Einen enormen Aufschwung für das Gebiet rund um Wildalpen brachte die Eisenverarbeitung. Grundlage war der Waldreichtum, der die Erzeugung von ausreichenden Mengen an Holzkohle sicherstellte, und damit die kostengünstigste Variante der Eisenerzeugung im nahen Gebiet um Eisenerz bot. Am 30. Juni 1625 war Besitzern der Erzgruben bei Tulleck / Eisenerz von Kaiser Ferdinand II. die Errichtung eines Eisenbergbaues sowie Schmelzöfen und Hammerwerke in Wildalpen am Säusenbach gestattet worden. Diese Unternehmungen führten zu einer regen Zuwanderung und auch zur Schaffung religiöser Zentren. Am 7. Oktober 1731 wurde die kunstvoll ausgeschmückte Kirche „Zur Schmerzhaften Gottesmutter“ in Wildalpen eingeweiht, die auch zum Wallfahrtsort wurde. 1837 musste das Hammerwerk aufgrund der veränderten Wirtschaftlichkeit der Steinkohle schließen.

Einen neuen Aufschwung brachte der Bau der II. Wiener Hochquellwasserleitung im Gebiet um Wildalpen. Nach zehnjähriger Bautätigkeit konnte sie am 2. Dezember 1910 von Kaiser Franz Joseph feierlich in Betrieb genommen werden. Die Jubiläen von 1985 und 2010 wurden mit Sondermarken gefeiert.

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Die 200 Kilometer lange Leitung, die großteils aus Stein gemauerten Stollen besteht, führt über 100 Aquädukte von Wildalpen und Lunz am See über Scheibbs, Wilhelmsburg, Neulengbach und Preßbaum bis nach Wien. Das Wasser benötigt etwa 36 Stunden für die Strecke von den Quellen im Hochschwabgebiet bis in die Hauptstadt. Die bedeutendste ist die Kläfferquelle im steirischen Salzatal, die bei Schneeschmelze rund 10.000 Liter pro Sekunde hervorbringt und zu den größten Trinkwasserquellen Europas zählt.

Das Gemeindewappen wurde mit Wirkung vom 1. August 1966 verliehen. Die Wappenbeschreibung des Steiermärkischen Landesarchivs erläutert:
„In einem von Blau und Silber gespaltenen Schild vorn ein silberner Felsberg mit drei Spitzen, aus dem ein blauer Wasserlauf entspringt; hinten ein aufgerichteter schwarzer Steinbock.“

Das vordere Schildfeld deutet die hohen felsigen Berge der Landschaft von Wildalpen an, der blaue Wasserlauf nimmt Bezug auf die II. Wiener Hochquellenleitung, deren Quellgebiet und Wasserschlösser hier liegen. Seit der Mitte der 1930er Jahre lebt in den Bergen um Wildalpen eine starke Steinbockkolonie, die hier wieder heimisch gemacht wurde (Wikipedia).

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31 sehenswerte Bauten, darunter neun Aquädukte, stehen unter Denkmalschutz. Darunter das Kriegerdenkmal, dessen malerische Ausgestaltung Camillo Kurtz übernommen hatte (Foto: Karl Andreas Kurtz).

Neben der Gemeinde Wien als Auftraggeberin für die II. Wiener Hochquellenwasserleitung wurde 2002 die Wildalpen Wasserverwertungs GmbH gegründet, die Quellwasser der Seisensteinquelle in Flaschen abfüllt und vermarktet.

Die Schönheit der Natur

Die Albertina präsentierte im Frühjahr 2015 eine Ausstellung mit 150 Meisterwerken der österreichischen Aquarellmalerei des 19. Jahrhunderts. Auftraggeber dafür war Erzherzog Johann (1782-1859), der mehrere Künstler – unter ihnen Jakob Gauermann, Matthäus Loder und Thomas Ender –  als „Kammermaler“ in seine Dienste nahm. Ihre Aufgabe war es, Darstellungen der alpenländischen Regionen, vor allem des Herzogtums Steiermark, anzufertigen. So entstand ab 1802 eine  höchst qualitätsvolle Sammlung von annähernd 1500 Blättern, neben Landschaften auch Darstellungen von Volkstrachten und Ansichten von frühen  Industrieanlagen. „Von besonderem Reiz sind zusätzlich die bildlichen Schilderungen von Begebenheiten aus dem Leben von Erzherzog Johann – allen voran die berühmte Geschichte seiner Liebe zur Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl.“ (Albertina-Blog)

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Aus dieser Sammlung: Jakob Gauermann, Brunn bei Wildalpen, 1812
(Privatsammlung, Foto: Albertina, digital bearbeitet)

Eine frühe Gesamtansicht mit dem Titel „Eine Gegend in der Wildalpen.“ als aquarellierte Umrißradierung (von J. Ziegler nach Runk bei Stöckl in Wien, 26,5 x 40,5 cm), auf das Jahr 1790 datiert,  bot das Antiquariat Clemens Paulusch an, als „malerische Ansicht des Orts Wildalpen in der Steiermark; in dezenten Farben koloriert …“.

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Von Camillo Kurtz können wir an dieser Stelle eine undatierte Aquarell-Ansicht des „Dachstein“ aus einer Dorotheum-Auktion in St. Pölten und eine nicht näher bezeichnete Ansicht aus dem Jahr 1927 ergänzen.

Wildalpen – Göstlingstollen auf Bronzeplaquette zur 2. Kaiser Franz Josef Hochquelleitung, 1906,  und ovale Silber-Plakette für die Bergarbeiter des Wildalpen Göstlingstollen. Zwei der letzten Werke des Medailleurs Franz Xaver Pawlik (1865-1906), ab 1904 bis in sein Todesjahr hinein auch Münz- und Medaillengraveur der Münze Österreich. (Abb. Dorotheum) 

Michael Burzan

 

 

Schönes Fundstück aus dem Jahr 1906: „Ein Zufriedener“ auf Postkarte von Arthur Kurtz

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Eine Entdeckung aus jüngster Zeit ist in den Familienbesitz übergegangen:
Das Aquarell-Porträt mit dem Titel „- Ein Zufriedener -“ entstand auf Büttenkarton im Format 140 x 90 Millimeter, rechts unten signiert „A. Kurtz“.

Die Rückseite trägt einen Postkarten-Vordruck und wurde offensichtlich vom Künstler eigenhändig beschriftet, im März 1906 an ein Fräulein in der Rainergasse 5 in Wien geschrieben.

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Das Exemplar hat einen Ehrenplatz in einer Sammlung mit Postkarten gefunden, die zahlreiche Beispiele der Korrespondenz zwischen Mitgliedern der Familie Kurtz aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert umfasst.